Christrosen

Cover von das Buch Cristrosen

Einige Zitate

... Wer Gott in seinem irdischen Wirken und dadurch allen Menschen und Wesen helfen will, der tue zuallererst eines: Er wage es, glücklich sein zu wollen. Er schaffe Frieden mit seinem Gewissen. Er soll nicht mehr tun wollen, als ihm gegenwärtig und in seinem Bereich ohne Unrast, ohne Hetze zu tun möglich ist. Für eine solche Unrast ist verkappter Ehrgeiz oder verfehlte Anwendung seiner Kräfte die Triebfeder. Er werde zuerst den Forderungen seiner Umwelt, seines Berufes und des irdischen Alltags gerecht. Er schaffe sich Freude, und sei es in den kleinsten Dingen. Er gebe die unheilvolle Neigung zu Selbstquälereien, zur Selbstverspottung, zu Herabwürdigung seines Leibes und seiner Seele auf. Damit trifft er sein Herz, seine Lebensmitte, und damit Gott in seinem irdischen Anteil. Für ihn als irdischen Menschen sind diese ‘Selbstquälereien’, diese Selbstverspottung und Herabwürdigung Lust, sonst würde er es nicht tun, auch wenn er sich vortäuscht, daß er dabei Qualen leide. Gott trägt diese Qual. Der Mensch aber zerstört sich dadurch selbst und findet unweigerlich, wenn er dabei verharrt, seinen irdischen und ewigen Untergang.

Der Mensch sorge jeweils für den Tag und plane nur das wirklich Notwendige, das heute schon bedacht und für später vorbereitet werden muß. Er wühle sich nicht selbst in Gram und Sorgen hinein. Er wage es, das Leben zu bejahen und nicht mehr zu verneinen. Wenn er so den Anfang gemacht hat, - ohne diesen nimmt er innerlich nichts an, - wird ihm Weiteres und immer Größeres gegeben werden. Und zur rechten Zeit wird sein Garten, der Garten seiner Seele, voll Blüten stehen...


... Enno sah mit blitzenden Augen herüber und stampfte zornig auf. Er kam heran. ‘Eva Maria!’ stieß er heiser hervor. Sie warf hochmütig den Kopf zurück. ‘Bin ich für dich allein da?’ fragte sie spöttisch.

Enno wurde bleich. Er trat hart vor Rupert. Da klopfte es knöchern und hohl an die Fensterscheiben. Eva Maria erschrak. ‘Was ist das?’ fragte sie tonlos. ‘Ein Ast’, gab Rupert nachlässig zurück, ‘der Sturm schüttelt die Bäume.’

‘Zum Tanz, ihr Damen und Herren!’ rief da eine Stimme, die wie von draußen kam. Lärmende Zustimmung antwortete ihr. Die Musik setzte ein, leichte, schwingende Melodien und Lachen erfüllten den Raum, ein sorgloser Taumel ergriff die Menge im Saal, es war keine Stimmung mehr zu ernsthaften Auseinandersetzungen.

Im Ahornbaum vor dem Fenster saß der Zauberer. Er hatte seit Stunden alles beobachtet und die Stimmung gelenkt. Nun grinste er geil. ‘Die Zeit ist da für mich. Der Apfel ist reif.’

Wie ein scheußlicher Rabe mit gierig-listigen Augen schaukelte er auf seinem Ast und blinzelte vergnügt in den Saal, in dem die Menge ausgelassen durcheinander wogte. Wütend riß der Sturm an dem Ahornbaum und schüttelte seine Äste. Der Zauberer begann mit quäkender Stimme zu singen.

‘Wie der Baum heute knarrt und stöhnt!’ sagte Eva Maria erschaudernd zu Rupert. ‘Unheimlich ist es, ganz anders als sonst.’ Rupert lächelte siegessicher. 'Ja, der Sturm!' sagte er. 'Da stöhnt der Baum eben, wenn er von ihm gepackt wird...'

... ‘Eva!’ klang da eine Stimme auf dem Gang vor der Tür ihres Zimmers. Erschreckt erhob sie sich halb vom Lager. ‘Was ist?’ ‘Sei ganz leise’, raunte es wieder, ‘ich bins, Rupert.’ ‘Geh doch, geh!’ ‘Eva, schönste Frau, hörst du, wie die Bäume stöhnen im Sturm? Sie stöhnen und wiegen sich in Lust und Qual. Bald, noch ehe der Morgen graut, wirst auch du stöhnend und zitternd in meinen Armen liegen. Wehrlos bist du vor mir, ein Opfer der Nacht und deiner eigenen Wünsche. Du zitterst ja schon vor mir, du weißt es ja selbst, daß deine Gegenwehr nur noch sinnlose Qual ist. Ergib dich, mach auf, laß mich herein!’

Betäubt, willenlos, wie gebannt von dem Begehren in ihr erhob sie sich, tastete nach dem Riegel am Einlaß und schob ihn zurück. Langsam, lautlos ging die Türe auf. Eva Maria zuckte zurück. Nichts als undurchdringliches Dunkel wie ein Abgrund schien da draußen zu lauern. Dann stand plötzlich ganz nahe vor ihr düsterer als der Abgrund eine Gestalt. In letzter Abwehr hob Eva Maria die Hände. ‘Nicht, Rupert, nein!’ Da preßte sich eine klebrige Hand auf ihren Mund. Ein Lichtstrahl von draußen her fiel flackernd auf das Gesicht des Eindringlings. Es war ihr unbekannt. Einem Geierkopf glich es, lüstern schoben sich die Lippen wie ein Schnabel vor, gierig, grausam glitzerten die Augen. Mit einem schnell erstickten Schrei brach Eva Maria zusammen...


... Was ist heute noch die Taufe und die Firmung? Ein leeres magisches Ritual, das keinen Bezug mehr hat zu seiner ehemaligen Bedeutung: Eine Hilfe, eine Erleichterung des geistigen Erwachens zu sein. Was ist heute noch die Heilige Kommunion? Eine kultisch erstarrte Vereinzelung einer allgemeingültigen Wahrheit. Als Jesus für eine noch unreifere Entwicklungsstufe dieses Sakrament einsetzte, sagte er nicht, auf Brot und Wein, auf die edelsten Früchte der Erde deutend: ‘Das bin Ich, sondern: ‘Das ist mein Leib, das ist mein Blut.’ Das sollte die Menschen daran erinnern, daß alles Irdische, das ganze Weltall, als der Leib und das Blut Christi, des Weltgeistes selbst erlebt werden können. Wenn der Mensch irgendetwas Irdisches sich zu eigen macht, sei es leibliche oder geistige Nahrung, sollte er es in diesem Sinne tun. Nur so kann das Irdische geheiligt werden. Die Beschränkung dieses Sakramentes, d.h. dieser Brücke zur Wahrheit, zum wahren Leben, auf Brot und Wein ist längst überholt, dem tieferen Verständnis der Menschheit für das Geistige entsprechend. Die Kirche verfährt hier wie anderswo wie ein schlechter Lehrer, der seine Schüler über die Anfangsgründe des Wissens nicht hinausgelangen lassen will, aus Angst, sonst seine Macht über sie zu verlieren. - Was sind die kirchlichen - und weltlichen - Trauungsfeierlichkeiten? Längst nur noch eine Prostitution des heiligsten Bandes zwischen zwei Menschen vor der gaffenden Menge. Was sind die kirchlichen und weltlichen Begräbnisbräuche? Das widersinnig feierliche Eingraben eines abgelegten Gewandes. Darum sagte Jesus: ‘Laßt die - geistig - Toten, die Materialisten, ihre Toten (feierlich) begraben.’ Das abgelegte körperliche Gewand eines Menschen sollte in aller Stille der Erde oder dem Feuer übergeben werden. Nirgends ist der Abgeschiedene seinen Freunden ferner als in der Nähe seiner sich zersetzenden Leiche, seines Grabes oder seiner Aschenurne. Nur die völlig Verblendeten oder die geistig Toten treiben einen Kult mit Leichen, Gräbern, Urnen, Mumien und Reliquien. Wer als Hilfe zur unmittelbaren Verbindung mit einem lieben Abgeschiedenen eine materielle Brücke braucht, der nehme sich ein Bild, einen Brief, ein Buch, das der Abgeschiedene geliebt hat, etwas von seinem Haar oder Gewand. - Wenn du aber einem Sterbenden die Angst vor seiner letzten Erdenstunde nehmen willst, kannst du nichts Besseres tun, als mit innerer Überzeugung von der Unsterblichkeit seines geistigen Wesens, von der unmittelbaren Verbindung mit seinen Lieben auf der Erde und von der Unendlichen Liebe Gottes zu sprechen, mit wenigen Worten, mit gesammelter Kraft...

 

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