Der unsichtbare Orden

DIE GEISTIGEN GRUNDLAGEN DER WELT VON MORGEN

Der Nachzügler einer großen Vergangenheit gegen den Vorkämpfer einer größeren Zukunft.

,Man nennt uns gerne die ewig Gestrigen, man wirft uns vor, wir hängten uns an Erscheinungsformen einer zu Ende gelebten Weltordnung. wir sähen das Vergangene im verklärenden Glanz der Erinnerung und seien deshalb unfähig, entschlossen das notwendige Neue, die Zukunft zu gestalten. Ja, man nennt uns wohl auch die hoffnungslos Beleidigten, die Vertreter eines schwächlichen Verzichts auf schöpferische Gestaltung, die Menschen des ,Nie mehr wieder', des Pazifismus, der Reaktion. Dabei wollen wir nur das Echte aus der Vergangenheit hinüberretten in eine schönere Zukunft, an die wir freilich kaum mehr glauben können. Wenn aber auch die Werte, die wir allein noch verteidigen, von verantwortungslosen Stürmern zerstört werden, dann ist uns das endgültige Absinken in ein untermenschliches Chaos gewiß!'

,Wir wären uns einig, wenn ihr nicht unter dem echten Alten in erster Linie die alten Formen verstehen wolltet. Weil sie euch gewohnt und vertraut sind, weil es kein geistiges Wagnis bedeutet, sich zu ihnen zu bekennen, weil ihr die bedrückende und gefährliche Einsamkeit des Pioniers im unbekannten Gelände scheut, weil ihr vor dem Haß und Hohn der Nutznießer des Alten und des Chaos zurückzuckt, der sich jedem Vorkämpfer neuer Ideen und Formen unweigerlich entgegenwirft, mögt ihr von den abgebrauchten Formeln des Gestern nicht lassen. Der Geist der morgenländischen Hochkulturen, der europäischen Antike und des germanischen Nordens, überhöht durch die Lehre Christi, wirkt seinem Wesen gemäß seit jeher in den Kämpfern der vordersten Front der Menschheit, in den Frontsoldaten der geistigen Entscheidung und Neugestaltung, nicht in den starrsinnigen, kümmerlichen, ängstlichen Verteidigern leblos gewordener Hüllen, ausgebrannter Trümmer im Hinterland des rastlos vorwärts schreitenden Lebens. Was echt ist, kann nicht untergehen, es geht form- und inhaltbestimmend ein in jede lebendige Neuschöpfung. Zerstört kann nur das Sterbende werden, die wertlos gewordene Form, nicht der Geist, der sie erschuf.'

,Für uns sind Geist und Form eins, es ist unsinnig, sie zu trennen. Wenn die Form stürzt, stirbt auch der Geist, der ihr innewohnt. Deshalb sind uns die vertrauten Formen heilig, unantastbar, jedem Zugriff ehrfurchtsloser Neuerer entrückt.'

,Für uns sind Geist und Form polare, sich ergänzende Gegensätze, deren lebendige Einheit erst erkämpft werden muß, ein Kampf, der jede echte Schöpfertat, jedes Neuwerden von lebendigen Formen begleitet.'

,Also mußt du doch, wenn auch auf Umwegen, ebenso wie wir den Wert der Formen anerkennen!'

,Ja, aber nicht den Wert unverrückbar gleicher Formen. Eine der edelsten Formen, denen ein Geist innewohnt, ist der Menschenleib. Ist er für ewige Dauer bestimmt, ist er trotz seiner scheinbaren Vollkommenheit etwas Endgültiges? Das Leben sagt nein dazu. Er ist jeweils nur für eine begrenzte Zeit ein tauglicher Träger des Geistes. Sind Kirchen, Staaten, Kulturprägungen etwas anderes, soweit es ihre äußere sinnen- und verstandesmäßig faßbare Gestalt betrifft? Sind nicht auch sie nur Form, nur Träger eines über ihnen Stehenden, notwendig und wertvoll, würdig der Verteidigung nur solange, als sie nicht erstarrt sind? Sie müssen zugunsten neuer Formen gesprengt werden, wenn sie, zum Selbstzweck geworden, dem Leben nicht mehr dienen, sondern es beherrschen wollen, wenn sie hoffnungslos festgefahren, erstarrt, verkalkt den geistigen Fortschritt zu hemmen oder gar zu ersticken suchen.'

,Eine solche Denkweise ist uns zu gefährlich. Wie kann man da eine Grenze ziehen zwischen echter Neuschöpfung, die allerdings die alten Formen überwinden müßte, und Neuerungssucht bloß um der Veränderung willen, lebensfeindlichen Neubildungen, Zerstörung um der Zerstörung willen?'

,Die Grenze ist leicht zu ziehen. Jede echte Neuschöpfung ist organisch verbunden mit allen wahren Erkenntnissen, die von altersher bis heute die Herzen der Menschheit bewegten, sie wird getragen von den früheren großen Schöpfungszeiten der Geistesgeschichte, aber sie verleugnet und zertrampelt sie nicht. Ihre Schlagkraft gründet sich nicht auf die niedrigen Instinkte des Pöbels, auf seine Rachsucht und Raubgier, sie gründet sich nicht auf den Ehrgeiz, den Geltungshunger, die Herrschsucht ihrer Führer. Sie gründet sich auf den Notstand der Zeit, aus der sie hervorwächst, auf die Führungsbegabung, Schöpferkraft und unanfechtbare innere Haltung ihrer Vorkämpfer, und auf die organische Zusammenschau alter und neuer Werte. Schöpferkraft, Wagemut, Reinheit und Treue, der Inbegriff dessen, was in vergangenen Zeiten, deren geistige Haltung noch an das Blut gebunden war, als nordische Welle über die Welt ging, vereint mit der Weisheit, der echten Wahrheit, dem zeitlos Gültigen der Vergangenheit, werden im Geistigen und im Irdischen die Welt neu gestalten. Prüfe selbst, welche geistigen Erscheinungen der Gegenwart, welche Führer und Gestalter, welche Mächte und Gemeinschaften diesen Forderungen zu entsprechen vermögen, aber prüfe nicht endlos. Schon die nächsten Jahre werden bestimmend für eine lange Strecke der Entwicklung sein.'

DER KAMPFBUND MICHAEL UND DIE KIRCHE DER ZUKUNFT

Ein Gegner: ,Deiner Aufforderung entsprechend, sich freimütig und selbständig zu deinen Erkenntnissen zu äußern, will ich dir einiges entgegenhalten, was mich gegen dich aufgebracht hat. Zunächst wegen des Buches ‚Der Mensch ohne Angst': Die Mehrzahl der berufenen Buchkritiker äußert sich darüber, das Buch sei dunkel, unklar, voller Widersprüche, und man wisse nicht, was der Verfasser eigentlich bezwecke. Das ist meiner Ansicht nach ein vernichtenden Urteil über ein Buch, das eine höhere geistige Klarheit bringen will!'

,Ich antworte dir mit den Worten Lichtenbergs: Ein Buch ist ein Spiegel. Wenn ein Dummkopf hineinschaut, schaut wieder ein Dummkopf heraus.'

,Selbst wenn ich es gelten lassen wollte, daß die Mehrzahl der Kritiker nur deshalb mit deinem Buch nichts anzufangen weiß, weil sie über ihren engen geistigen Horizont nicht hinaussehen, kann ich andere Vorwürfe gegen dich erheben, die du nicht widerlegen kannst, weil du dich selbst in deinen eigenen Schriften rettungslos in die handgreiflichsten Widersprüche verwickelt hast. Ich brauche nur das Buch ‚Der Mensch ohne Angst' mit den ,Mitteilungsblättern' zu vergleichen. Das Buch gibt sich so, als wolle es eine geistige Erneuerung der Menschheit - in den Mitteilungsblättern aber befaßt du dich schamlos offenkundig mit Politik! Du forderst die Auflösung aller politischen Parteien und die Enteignung auch des rechtmäßig erworbenen Staatsbesitzes zugunsten der Arbeiter und Angestellten dieser Betriebe, du greifst mit unverschämter Schärfe gewisse Weltmächte an und forderst ihre gerechten Vergeltungsmaßnahmen geradezu heraus, und vieles andere mehr. Wie stimmt das zusammen mit der angeblich rein geistigen Richtung deines Buches?'

,Schon in der einführenden Verlagsbesprechung des Buches wurde darauf hingewiesen, daß es mit der rein geistigen Richtung auch politische Ziele verbindet. Was ist denn Politik anderes als Ordnung des völkischen und sozialen Lebens? Macht-Politik allerdings Ausbeutung, Zwang, Terror, ist eine teuflische Verzerrung der echten, notwendigen Politik, der wahren, gottgewollten Lebensordnung im Irdischen, die für alle Berufsstände, Gesellschaftsschichten (,Klassen') und für alle Völker der Erde mit derselben einsichtigen Gerechtigkeit und Liebe sorgen muß. Wer es mit der Liebe zur Menschheit ernst meint und nicht nur sich selbst und einige Gleichgesinnte auf eine geistige Insel der Seligen retten will, der wird auch diese äußere Ordnung des Lebens nicht noch weiterhin den Verblendeten und Böswilligen überlassen, auch wenn er die rein geistigen Belange als das Wichtigste erkannt hat und sie als führend in allen Bereichen des Lebens zu oberst stellt. Die geistigen Führer werden von nun an auch in der Politik, im Bereich der völkischen und sozialen Gerechtigkeit, ohne Scheu ihr Wort in die Waagschale werfen. Oder sind nur die Geistlosen oder Geistfeindlichen, die von allen guten Geistern Verlassenen berufene politische Führer? Nur sie haben es nötig, die echte Politik, die umfassende Gerechtigkeit, zur widernatürlichen, widergöttlichen Machtpolitik zu verzerren, zu doktrinärer dogmatischer Zwangsherrschaft jeder Art, da sie sich anders nicht zu helfen wissen. Wer seiner Gefolgschaft nicht das Feuer des Geistes als einigendes Band vermitteln kann, muß zu Zwangsmitteln jeder Art greifen, um seine Leute bei der Stange zu halten.'

,Nun habe ich dich erst recht gefangen! Viele Worte Christi und deine eigene Deutung der Geheimen Offenbarung weisen darauf hin, daß der ganze Bereich des völkischen und sozialen Lebens, die äußere Ordnung auf der Erde, der ,Vorhof' der heiligen Stadt, den ,Heiden', den Unwissenden und Verblendeten preisgegeben ist!'

,Ja. Aber nur für eine begrenzte Zeit, bis sich nämlich die Menschheit auf das allgemein richtungweisende Geistige, auf die führende göttliche Wahrheit besinnt: Vier mal zwei Monate, geistige Mondumläufe, Zeitalter lang. Wäre die Zeit der Verwüstung des Irdischen durch die teils verblendete, teils böswillige Menschheit nicht begrenzt, dann hätte Johannes nicht vom Vorhof der heiligen Stadt, sondern von dem ihr angeschlossenen Schweinestall gesprochen. Selbstverständlich würden dann die Tonangebenden in diesem Bereich bis zum Weltende der Art ihrer Wohnstatt entsprechen'.

,Um nun die Neuordnung im Geistigen und im äußeren Leben durchzusetzen, hast du einen Kampfbund vorgeschlagen, der ohne Unterschied alle Gesellschaftsklassen und Völker erfassen soll. Selbst wenn aber viele den Sieben Punkten des Kampfbundprogramms zustimmen sollten, so wird doch eine geraume Zeit vergehen, bis du allein in Österreich oder Deutschland bei den derzeitigen Verhältnissen die behördliche Bewilligung für deinen Verband erhältst.

,Der Kampfbund besteht bereits. Er ist von keiner Bewilligung in- oder ausländischer Behörden abhängig, da wir keinerlei offene oder heimliche Vereinstätigkeit ausüben und keine äußere Organisation irgendwelcher Art besitzen. Auch ein Abzeichen für die Mitglieder des Kampfbundes ist überflüssig geworden, da sich genügend Widersacher gefunden haben, die für die Verbreitung unserer Idee in der Öffentlichkeit sorgen. Gleichzeitig erfüllen unsere Gegner die wichtige Aufgabe, die Feiglinge und späteren Verräter aus unseren Reihen auszusondern.'

,Du würdest dennoch viele Schwierigkeiten vermeiden und weniger Anstoß erregen, wenn du dich auf rein geistige Belange beschränken wolltest.'

,Die Neuordnung der Erde, das allmähliche Gestaltwerden des Tausendjährigen Reiches Christi auf Erden muß alle Lebensbereiche umfassen. Um der Scheidung der Geister willen muß jeder, vom geistig Reifgewordenen bis zum einfachsten Landsknecht, die Gelegenheit bekommen, sich mit Feuer und Überzeugung in einem bestimmten, ihm wesensverwandten Bereich für die göttliche Lebensordnung auf Erden entscheiden und einsetzen zu können. Jeder wird dies nach seiner persönlichen Art und geistigen Entwicklungsreife tun, indem er der sozialen oder geistigen Neuordnung dient. (Die exoterische und esoterische Seite des Kampfbundes).'

,Du sprichst also schon wieder wie Hitler vom Tausendjährigen Reich?'

,Mit diesem Vorwurf mußt du dich an den Evangelisten Johannes wenden. Er hat dieses Verbrechen schon lange vor Hitler und mir begangen.'

,Du sagst: Vor Hitler und mir. Damit gibst du also selbst zu, daß die Verwandtschaft in der Art und Zielsetzung, deren wir dich schon lange verdächtigten, tatsächlich besteht!'

,Der Nationalsozialismus als Weltanschauung war geistig schon durch die Weltentwicklung überholt, als er irdische Gestalt gewann. Besonders die Rassenlehre in ihrer politischen Anwendung und die nationale Idee als höchstes Ideal war ein Rückgriff in die Vergangenheit, als tatsächlich noch die Einzelpersönlichkeit ihre geistige Heimat in der Sippe, im Volk, in der Rasse oder auch in bestimmten Berufen und Gesellschaftsklassen hatte, also im Kollektiven, in der Gruppenseele. Diese Entwicklungsstufe war im griechischen Volk seit Sokrates, im ganzen antiken Kulturbereich seit Christus und im deutschen Volk seit dem Beginn des Mittelalters überwunden, so leuchtend diese Lebensordnung zu ihrer richtigen Zeit auch einmal war. Heute ist sie für die ganze Welt eine überwundene Stufe. Die göttliche Weltführung fordert heute überall das Verlassen des Kollektiven, das Selbständigwerden der Einzelpersönlichkeit, selbständige Verantwortung und selbständigen Arbeitsbereich für möglichst viele Menschen.

Diese Selbständigkeit soll durch die Forderungen der Gemeinschaft des Einzelstaates und der kommenden Weltregierung so wenig als möglich beschnitten werden. Es kann und soll der Mißbrauch der persönlichen Freiheit nicht von vornherein durch allzuviele Überwachung verhindert werden. Nur gerichtlich faßbare Übelstände - Fehlverwaltung des persönlichen oder staatlichen Eigentums durch offenbare Unfähigkeit, Ausbeutung von Untergebenen, unlauterer Wettbewerb, Mißbrauch der Amtsgewalt, des Lehrer-, Anwalts- oder Arztberufes usw. - sollen durch die Richter-Aufgabe des Staates auf begründete Anklagen hin beseitigt werden. Alle diese Grundlagen des Gemeinschaftslebens, wie sie genauer das Kampfbundprogramm ausführt, werden in der Staatsverfassung verankert werden.'

,Hat nun die geistige und soziale Bewegung, die du ins Leben gerufen hast, etwas mit Hitler und dem Nationalsozialismus zu tun oder nicht?'

,Viel oder nichts, wie du es nehmen willst.'

,Also doch!'

,Der Nationalsozialismus ist tot und wird auch als Neonazismus oder Neofaschismus nicht wieder auferstehen. Die anderen noch da und dort in der Welt herrschenden totalitären Systeme geistlicher und weltlicher Art, die in vielem sein Vorbild waren, werden sein Schicksal teilen. Die eigentliche Idee Hitlers aber, deren Verwirklichung ihm die göttliche Weltführung anvertraut hatte, die er aber wegen der geistigen Verblendung fast der gesamten Führungsschicht der Menschheit nur durch das Niederbrechen von Mauern vorbereiten konnte, die Idee einer Neuordnung des gesamten sozialen und religiösen Lebens, die Weltrevolution im Sinne der göttlichen Weltführung, diese Idee lebt und wird durch den Kampfbund über die ganze Erde hin ihre Erfüllung finden. Den Grundsatz der geistigen Bevormundung, des wirtschaftlichen Druckes gegen weltanschauliche Gegner, die Gestapo-Methoden und deren Ursprung und Vorbild, die Inquisitionsverfahren (bis in unsere Zeit fortgesetzt als Zwangs-Beichte), die Tscheka-, GPU-, NKWD- und MVD-Greuel überlassen wir ausnahmslos den verschiedenen Lagern der Gegenseite, die uns darin ohnehin unerreichbar überlegen sind durch ihre teils vielhundertjährige Erfahrung und durch die dazu nötige Gewissenlosigkeit. Wir können es auch ruhig der Gegenseite anheimstellen, ob sie ihren mißglückten Versuchen dieser Art noch weitere folgen lassen will.'

,Selbst wenn du in allem recht hättest, ist doch vieles von dem, was du forderst, heute noch verfrüht. Warum denn alles auf einmal und so schnell?'

,Du hast zwei Möglichkeiten, um dir mein Vorwärtsdrängen zu erklären: Entweder die Stelle X/7 in der Geheimen Offenbarung, die Worte des Engels: ,Es wird keine Frist mehr sein' - oder die Stelle XII/12: ,Wehe dem Lande und dem Meere! Denn der Teufel ist in grimmigen Zorne zu euch hinabgestiegen. Er weiß, daß er nur kurze Frist hat'. - Zwischen diesen zwei Möglichkeiten wähle!'

Ein anderer: ,Du bezeichnest in deinem Buch als Ziel deines Kampfes die ,wahrhaft allgemeine, alle Menschen guten willens umfassende, katholische Kirche'. Deine häufigen scharfen Angriffe gegen die katholische Kirche beweisen uns aber zur Genüge, daß du in Wirklichkeit unser Todfeind bist!'

,Ich will die katholische Kirche. Was aber seit vielen Jahrhunderten bis heute als katholische Kirche gelten will, ist eine geistfeindliche, widergöttliche, längst erstarrte Macht-Organisation, ein rein irdisches Gebilde, das den ‚Katholizismus' vertritt und mit schönen oder unschönen Mitteln in der Welt durchzusetzen sucht, um seiner eigenen höchst irdisch gemeinten Macht willen.

Dieser Katholizismus ist wie andere Ismen (Marxismus usw.) eine verstandesmäßig verengte, einseitig gewordene Geistesrichtung, eine vom römischen Paragraphendenken und durch endloses Klügeln und Moralisieren in starre Normen und Vorschriften gezwängte religiöse Gemeinschaft, die nicht einmal mehr das Abendland, einst ihr geschlossenstes Machtgebiet, mit Leben zu erfüllen und vom Geistigen her zu ordnen vermag. Wie will dieses Machtgebilde, das den Wahrheitsgehalt aller anderen Religionen, besonders der Religion Buddhas, hochmütig verwirft und eigensinnig auf seinen viel zu engen Dogmen besteht, den Auftrag Christi erfüllen, alle Völker zu lehren und zu einen? Wie will dieses Machtgebilde die totalitäre Staatsidee, besonders den Bolschewismus, den Todfeind der Menschheit, wirksam bekämpfen, wenn es selbst im Irdischen und im Geistigen totalitär bis ins Mark ist? Wie wenig konnte der Katholizismus gegen den Faschismus und Nationalsozialismus ausrichten, die doch nur Abwehreaktionen gegen den Bolschewismus, also unselbständige sekundäre Gebilde, Geschöpfe aus zweiter Hand waren. Der Katholizismus konnte nur durch sein starres Nein ihren Bestand nicht gefährden. Ganz andere Mächte waren es, die sie zu Fall brachten.'

,Auf diese Beweisführung will ich mich nicht einlassen, denn wir sind im Wesen ganz anders als es der äußere, geschichtlich faßbare Ablauf erkennen läßt.'

,Ja. Aber die Erscheinungsform, die Denkweise und der äußere Aufbau einer Gemeinschaft soll so gut als möglich ihrem innersten Wesen und ihrem Auftrag entsprechen. Diese Erscheinungsform aller Kirchen, besonders aber der euren, wurde sehr bald nach ihrer äußeren Festigung ausgesprochen widerchristlich. Den Nachweis dafür bringe ich in der Neufassung der Evangelien. Ich kann mich dabei vielfach auf den von der heutigen katholischen Kirche ausdrücklich anerkannten Wortlaut der Lehre Christi stützen. Hier will ich nur davon sprechen, wie unnötig schwerfällig und verkalkt heute alles irdisch Faßbare an der katholischen, besser gesagt an der katholizistischen Kirche ist. Sie gleicht einem Schiff, an dessen Rumpf bei seiner Fahrt durch die Meere sich soviel Muscheln und Verkrustungen angesetzt haben, daß seine Fahrt trotz der Stärke des Windes mitleiderregend langsam geworden ist. Und diese hemmenden Verkrustungen, dieses kalte, ausgeklügelte Lehrgebäude, diese überlebten Bräuche und Einrichtungen, welche die eigentliche Lehre Christi wie in ein Grab gemauert haben, verteidigt die Kirche heute noch als ihren kostbarsten Besitz , als die liebevoll gehegte Frucht ihrer vielhundertjährigen Entwicklung!'

,Euer Kampfbund wird genau so, wie du es uns vorwirfst, in eine immer starrer werdende Organisation ausarten. Auch uns haben erst die ständig gefährlicher werdenden Irrlehren und Kirchenspaltungen dazu gezwungen. Wie wollt ihr euch anders als durch eine straffe Befehlsgewalt und durch eine bis ins Letzte genau und durch Dogmen festgelegte Lehre dagegen sichern? Keine Macht der Welt kann auf die Dauer auf selche Maßnahmen verzichten, wenn sie den Bestand ihres Gefüges gegen Angriffe und Zersetzungserscheinungen aller Art sichern will.'

,Wir wollen uns ja gar nicht durch solche, rein irdische Maßnahmen dagegen sichern. Dieser Sicherheits- und Machts-Wahn ist ja das Grundübel, aus dem besonders im geistigen Bereich immer neues Unheil, Zwangsmaßnahmen, Verfolgungen, Herrschsucht, Heuchelei, Zersetzung, faule Kompromisse und der Grundsatz ,Macht geht vor Recht' entstehen. Mehr kann und darf man nicht tun, als die Wahrheit vertreten und sie möglichst vielen Menschen möglichst leicht zugänglich machen. Das setzt Freiheit von jedem Zwang voraus, der gerade die Besten abstößt und zur Auflehnung treibt. Man kann nur entweder das Seine tun und im übrigen der Weisheit der göttlichen Weltführung vertrauen, die immer wieder alle Menschen guten Willens trotz ihren vorübergehenden Schwankungen und Irrtümern zu einen versteht (dann darf man aber dem inneren Empfinden für die Wahrheit, der Stimme des Gewissens, der Stimme der göttlichen Weltführung in allen Menschen guten Willens keinen Zwang von außen her auferlegen) - oder man muß dieses von innen her einigende Band durch äußere Sicherheitsmaßnahmen, Zwangbindungen, Einschüchterung, seelischen und äußeren Terror zu ersetzen suchen, der dann zwangsläufig immer brutaler oder verschlagener wird, je mehr sich die Besten dagegen auflehnen.

Der Kampbund wird keinerlei äußere Organisation schaffen und keinerlei Befehlsgewalt gegen irgend jemand ausüben. Er wird der heutigen katholischen Kirche vorleben, wie Christus seine ,katholische', weltumfassende Gemeinschaft wollte und will. Der Kampfbund wird über keinerlei irdischen Besitz verfügen (das hat mit dem persönlichen Besitz seiner Mitglieder nichts zu tun), der den Zugriff irdischer Mächte herausfordert und zu falschen Kompromissen zwingt. Keinerlei äußerer Kultus mit seinen zeitraubenden und vielfach mißverstandenen Einrichtungen (Messe, Taufe, Trauung, Begräbnis usw.) wird weiterhin den Bestand von irdischen Gotteshäusern und eines Berufspriestertums erzwingen, das vielfach, vor allen in den höheren Stellen, zum Bonzentum entartet.

Jeder und jede, besonders Ärzte, Lehrer und Richter, denen die höchste Berufswürde zusteht, mitten im Volk und in ihrem bürgerlichen Berufe stehend, können Priester, d.h. geistige Führer, aufklärende und aufrichtende Berater ihrer Umwelt sein, ohne äußerliche Handauflegung (,Priesterweihe'), ohne Schriftgelehrtentum (,Theologie'), ohne jede besondere Kleidung und Lebensweise, die jedem einzelnen frei überlassen bleiben muß; maßgebend für ihre Berufung ist, ob sie die Lehre Christi von innen her zu erfassen vermögen. Damit haben sie den Heiligen Geist Christi empfangen und dürfen lösen und binden (als Ratgeber), aufrichten, aufhellen und heilen. Ob jemand zum geistigen Führer berufen ist, entscheidet kein Vorgesetzter, sondern ausschließlich die Menschen, die ihn als Freund, Helfer und Ratgeber wählen. Diese Tat des Vertrauens muß jedem einzelnen frei überlassen bleiben. Es steht auch jedem frei, in Wort und Schrift gegen vermeintliche oder wirkliche Irrlehren aufzutreten. Es darf aber keinerlei Zwangsmaßnahmen, keinerlei äußeren oder seelischen Terror zur ,Sicherung der Wahrheit' geben. Sie wird sich zur rechten Zeit selbst durchsetzen, wenn nur die berufenen Führer nicht schlafen!

,Dann lehnst du also jeden äußerlich sichtbaren Kultus ab - besonders die heilige Messe und die heilige Kommunion?'

,Nein. Dies alles war eine notwendige Entwicklungsstufe, ein materieller Anhalt als Brücke zum eigentlichen geistigen Verstehen und Einswerden mit Christus (UNIO MYSTICA). Heute aber steuert die Entwicklung auf die volle Erfüllung des Wortes Christi zu: ,Gott ist Geist und soll im Geiste und in der Wahrheit angebetet werden'. Nichts Irdisches aber ist selbst Wahrheit, weder Worte, Gedanken, Gefühle noch irgendwelche grobmateriellen Dinge, die alle ohne Ausnahme verfälscht und mißbraucht werden können. Sie können nur eine Brücke zur Wahrheit sein.'

DER UNSICHTBARE ORDEN.

Ein Gegner: ,Ich war lange geneigt, alle deine Forderungen und Vorschläge teils als abwegig, verwirrt, ungerecht und weltfremd, teils als verfrüht und deshalb für unsere Zeit als undurchführbar zu betrachten. Nun muß ich zugeben, daß deine mir anfangs so töricht, ja wahnwitzig erscheinenden Vorstöße dir immerhin Geländegewinne eingetragen haben, die Aufmerksamkeit verdienen. Aber eines hast du wohl nicht bedacht: Du hast dich genau wie Hitler planmäßig mit fast allen Geistesrichtungen verfeindet, die es in der Welt gibt, von Katholizismus, Protestantismus und dem Okkultismus verschiedenster Richtungen angefangen bis zum Marxismus und Bolschewismus. Das konntest du dir leisten, solange man deinen Bestrebungen wenig Bedeutung beimaß. Solltest du aber wirklich, wie es immerhin möglich ist, zu einer ernstlichen Gefahr für alle Geistesrichtungen und Machtorganisationen werden, mit denen du dich vorsätzlich verfeindet hast, dann mußt du mit Gegenmaßnahmen stärkerer Art als bisher rechnen. Schnell genug wird dann offenbar werden, daß du deine Kräfte weit überschätzt hast. Das Urteil vieler wird sich bestätigen, daß dich nicht wahrer, verantwortungsbewußter Mut zu deinen gewagten Vorstößen getrieben hat, sondern die bedenkenlose Tollkühnheit des Va-banque-Spielers nach der Art eines Adolf Hitler. Dieselbe Art und Kampfesweise, derselbe oder ein ähnlicher Ablauf der Ereignisse und ein ähnliches Ende: Das läßt sich ohne Mühe und ohne die Gefahr eines Irrtums vorhersagen!'

,Adolf Hitler konnte immerhin Mithilfe einer militärisch gegliederten Massenorganisation, die unter seiner fast unbegrenzten Befehlsgewalt stand, einen großen Teil der kulturellen, wirtschaftlichen und militärischen Kräfte des deutschen Volkes für seine Ziele einsetzen. Ich will weit mehr als er, nämlich eine allgemeine Weltrevolution in allen Lebensbereichen. Dabei kann ich mich aber auf keine irgendwelche ins Gewicht fallende irdische Machtmittel und auf keinerlei Befehlsgewalt stützen, denn ich will nichts dergleichen. Wenn du also mein Unternehmen nach den üblichen irdischen Maßstäben messen willst - irdische Macht gegen irdische Macht - dann mußt du mich rundweg als einen Narren bezeichnen. Oder du bringst soviel Vertrauen zu mir auf, daß du mir eine Einsicht in die Weltgesetze, ein Wissen um die Welt von morgen und Kräfte aus irdisch nicht mehr faßbaren Bereichen zuerkennst, denen meine Gegner eben nur irdische Machtmittel entgegensetzen können.'

,Da entscheide ich mich lieber dafür, dich einen Narren zu nennen!

,Ja. Das ist das Einfachste. Ich empfehle ein Urteil dieser Art allen, die geistig nicht umlernen wollen.'

,Ich habe also deine bereitwillige Zustimmung. Daß sie nur ironisch gemeint ist, will ich übersehen. Wichtiger ist, daß ich auch der Zustimmung vieler anderer gewiß bin, der überwiegenden Mehrheit aller Anhänger der verschiedensten Geistesrichtungen im politischen und religiösen Leben, wenn du auch diese Geistesrichtungen in Bausch und Bogen herabsetzend als Ismen bezeichnest.'

,Ja. Aber in wenigen Jahren wird sich an allen Ismen ohne Ausnahme vom Katholizismus bis zum Bolschewismus ein altes Wort in neuer Art, in irdisch-persönlicher Auseinandersetzung erfüllt haben: Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen, mögen sich nur meine Gegner mit dem Himmel gegen mich verbündet wähnen und sich auf mißverstandene göttliche Verheißungen berufen oder mögen sie sich mit demselben unendlichen Überlegenheitsgefühl auf die fast unbegrenzten materiellen Mittel einer Weltmacht verlassen.

,Immer wieder war ich geneigt zu erwägen, ob man dir nicht in gewissen Punkten vielleicht doch rechtgeben könnte. Du selbst machst diese Bereitschaft zunichte, indem du mir Worte au den Kopf wirfst, die dich einwandfrei als einen Wahnsinnigen erweisen.'

,Allen Menschen, die im bloß irdischen Fühlen und Denken befangen sind, muß ich wahnsinnig scheinen, genau so wie ihnen die Gestalt und Lehre Buddhas oder Christi als die eines Wahnsinnigen erscheinen würde, wenn sie - nicht abgestumpft durch die Gewohnheit - ernstlich darüber nachdächten. Nach einigen hundert Jahren werden auch die Worte, die ich heute auszusprechen habe, die laue, unverbindliche Zustimmung selbst der zahmsten geistigen Spießbürger finden. Sie können es dann, im Gegensatz zu heute, ohne jede Mühe und Gefahr tun.'

,Wenn man deine Schriften als Ganzes ernst nimmt und sie überdies als eine folgerichtige Entwicklung des geistigen Lebens auf der Welt zur führenden Herzmitte, zu Christus hin betrachtet - so sprichst wenigstens du dich aus - dann möchte man glauben, du wähntest dich berufen, die Lehre Christi aus ihrer konfessionellen, dogmatisch verengten, rituell erstarrten und machtsüchtig verfälschten Schein-Wirklichkeit zu lösen und ihren eigentlichen Gehalt endlich der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Nach deiner Darstellung haben alle christlichen Kirchen die eigentliche Lehre Christi wie in ein Grab gemauert. Du willst dieses Grab auftun. Um nichts anderes zu sagen: Eine kühne, eher noch vermessene, völlig aus der Luft gegriffene Behauptung!'

,Ein übereiltes Urteil deinerseits! Ein allen Christen längst bekanntes, wenn auch bis in die höchsten Kreise hinauf unverstanden gebliebenes Geschehen weist darauf hin. Nach der Grablegung Christi ließ die jüdische Kirche das Grab versiegeln und vor die versiegelten Türen des Grabes einen Felsblock wälzen. Überdies rief sie zur Sicherung des Grabes die herrschende staatliche Macht zu Hilfe - römische Soldaten als Wächter auf Befehl des kaiserlichen Statthalters. Genau dasselbe, was damals einen Tag lang geschah, taten die geistigen Erben der Synagoge, die amtlichen christlichen Kirchen, besonders die römische Papstkirche, einen kosmischen Sonnentag, ein Weltzeitalter lang. Versiegelte Bänder - die falsch verstandene Binde- und Lösegewalt, Bannfluch und geistliches Ketzergericht - ein Felsklotz - erstarrte Dogmen, Kirchengesetze und Riten - und vielfach die weltliche Macht, der materielle Besitz der Kirche und die willfährige Staatsgewalt, sicherten die Zwangsherrschaft der Kirchen im geistlichen und oft sogar im weltlichen Bereich. Der Leib Christi, sein Fleisch und Blut, sein Leben und das Herzblut seiner Lehre, die er für alle als die wahre Speise und den wahren Trank auf der Erde zurückließ, lag einbalsamiert, vor Zersetzung gesichert im Grabe hinter Türen, Siegeln, Felsklotz und Wächtern, nur dem Hellsehenden durch alle ängstlichen Sicherungsmaßnahmen hindurch sichtbar als lebendige, unmittelbar wirksame Gegenwart. Nicht die irdisch beglaubigten Gefährten und Gefährtinnen Christi, die Jünger und die ihm nahestehenden Frauen, entfernten die Wächter und wälzten den Stein hinweg. Ein Engel stürzte sich wie ein Blitz vom Himmel vor das Grab Christi, schleuderte die Wächter, die christusfeindlichen staatlichen Mächte, zu Boden, wälzte den Stein hinweg, die erstarrten Dogmen, Gesetze und Gebräuche und setzte sich darauf, zum Zeichen seines Sieges über das versteinerte, Erstarrte, Veraltete und Überlebte. - Dieses Geschehen, in den Evangelien eigens festgehalten, bedeutet mehr als eine schmückende Beigabe zur Auferstehung Christi. Was damals nach dem irdischen Tag der Grabesruhe Christi geschah, als ein in die Zukunft weisendes Sinnbild, das geschieht heute nach dem kosmischen Tag der Grabesruhe Christi im Aufbruch eines neuen Tages, eines neuen Weltzeitalters, am Beginn der allumfassenden Weltrevolution Christi. Es wird keine gute Zeit für Wächter, Felsklötze und Siegelbänder sein!'

,Das höre ich sehr ungern. Weißt du denn nicht, daß sich die ganze Welt nach Ausgleich, Frieden, Ordnung und Sicherheit sehnt?'

,Das weiß ich und ich könnte selbst - seit Jahrzehnten - keine größere Sehnsucht haben. Ich teile seit Jahren die Kampfmüdigkeit der Welt, da ich von allen inneren und äußeren Kämpfen der letzten Jahrzehnte meinen Teil getragen habe. Wenn ich trotzdem zum Kampf rufe, dann entspringt dies nicht einem Überschuß an irdischen Kräften oder irgendwelchen sonstigen irdischen Beweggründen. Ich vertrete hier auf der Erde eine Forderung aus jenseitigen Bereichen: Scheidung der Geister. Der Lebensbaum der Erde ist bis zum Wipfel überwuchert von Schmarotzern, deren von Gott zugestandene Bewährungszeit im allgemeinen Lebensbereich jetzt vorüber ist. Erst dann wird eine neue, verjüngende Kraft in den Lebensbaum der Erde einschießen, wenn alle Schmarotzer, getarnt als herrschsüchtige Machthaber, Würdenträger, Scheinbeschäftigte, berufene aber nicht auserwählte geistige Führer kleinsten und größten Formats von ihm herabgerissen sind. An diesem Kampf um die Reinheit der Erde entscheiden sich von nun ab alle Entwicklungsstufen der Menschheit für oder wider Gott selbst, viele von ihnen endgültig. Friede, Ordnung, Sicherheit, neue Saat und neue Ernte: Ja. Aber erst muß der Acker frei von Steinen und Unkraut sein.'

,Der Träger dieses Kampfes um die Reinheit der Erde soll der Kampfbund Michael, der Unsichtbare Orden sein, ohne jede äußere Organisation, ohne jede irdische Kennzeichnung seiner Mitglieder, also eine Utopie, ein Phantasiegebilde!'

,Eine Utopie, ein Phantasiegebilde wie die Röntgenstrahlen, deren den gewöhnlichen Sinnen ohne Hilfsmittel unsichtbares, aber höchst lebendiges Wirken von niemand ungestraft mißachtet wird, der sich in ihrem Strahlungsbereich aufhält, und der Bereich dieser Strahlen, der Bereich des Unsichtbaren Ordens erstreckt sich heute schon über die ganze Menschheit.'

,Wie willst du aber ohne eine äußerlich sichtbare Organisation, ohne Mitgliedsaufnahme und -Ausschluß die Schafe von den Böcken scheiden?'

'Laß das ruhig meine Sorge sein. Verräter und Heuchler verraten sich in den geistigen Bereichen ganz von selbst und gehen unter.'

,Du sprichst in Rätseln, sobald es sich um die praktische Anwendung deiner Richtlinien im täglichen Leben handelt.'

,Damit jeder weiß, wie er mit sich selbst daran ist und was er tun oder lassen soll: Jeder Mann und jede Frau gleich welchen Alters, welcher Gesellschaftsschichte, welchen Volkes ist ein vollwertiges Mitglied des Unsichtbaren Ordens, ein Fahnenträger der kommenden Gemeinschaft Christi, ein Vorkämpfer für die Verwandlung und Neuordnung der Erde, wenn ihm oder ihr die Sieben Forderungen des Unsichtbaren Ordens zum Inneren Gesetz werden.

I. Ich will jederzeit und überall meine Aufgabe im Irdischen und im Geistigen erfüllen, im Kleinsten und im Größten, ohne Nachlässigkeit, ohne Hast, ohne Rachegelüste, ohne Schadenfreude, ohne Besitzgier, ohne Neid.

II. Religiöse Erkenntnisse, die mir nicht bei ruhiger Empfangsbereitschaft wie von selbst aufgehen, will ich nicht durch sinnloses Ausfragen anderer oder durch Grübeln und Klügeln zu erzwingen suchen. Jede Erkenntnis ist ein Geschenk, das einem zur richtigen Zeit wie von selbst zufällt.

III. Um die göttliche Weltführung im Innersten zu verstehen und um eins mit ihrem Willen zu werden, will ich meinen Lebensmittelpunkt, mich selbst als bewußte Geistpersönlichkeit, in der Herzgegend meines irdischen Körpers empfinden lernen. Den irdischen Abglanz des geistigen Lebens, das irdische Fühlen und Denken in meinem Kopfbereich, besonders den Verstand, will ich nicht mehr als meinen Lebensmittelpunkt und Beherrscher betrachten.

IV. Ich will mich für die Ziele des Unsichtbaren Ordens in meiner Umwelt und je nach meinen Fähigkeiten auch in der Öffentlichkeit einsetzen, ohne Trägheit, ohne Fanatismus, ohne Aufdringlichkeit.

V. Ich will alle drei Ebenen der Welt achten, die materielle, die irdisch-seelische und die irdisch-geistige Ebene als Abglanz dar göttlichen Unendlichkeit. Ich will aber die Forderungen der irdisch-geistigen Ebene, aus der die Stimme das Gewissens spricht, zu oberst stellen und ihr alle meine Wünsche unterordnen.

VI. Ich will nicht weltflüchtig werden und mich so der Mitarbeit an der Erneuerung der Erde entziehen. Ich will anderseits meinen geistigen Fortschritt und meine Würde nicht in Äußerlichkeiten der irdischen Lebensweise suchen. Ich will mit allen meinen sich immer mehr läuternden Kräften dem lichten Lebendigen und damit Maria selbst dienen, dem Schoß und der Führungsmacht des Ewigen Werdens.

VII. Ich will jede Angst vor irgendwem oder irgendetwas und um irgendwen oder irgendetwas schrittweise abbauen und durch Aufmerksamkeit, Hilfsbereitschaft und sinnvollen Einsatz meiner Kräfte ersetzen, frei von Unruhe, Hast und frei von Leichtsinn. Ich will jeweils nach meinem Ermessen das Beste tun und auch den Mut zum Irrtum haben. Ich will meinem Bewußtsein einprägen: Der einzige Weg zu Gott ist der Weg das Freiseinwollens von jeder Angst, der Weg gläubigen Vertrauens.

AUFRUF ZUM DRITTEN WELTKRIEG.

Ein Gegner: ,Wir wollen endlich Ruhe, Frieden und Sicherheit haben! Die zwei vergangenen schrecklichen Weltkriege scheinen aber gewissen Unruhestiftern immer noch nicht genug zu sein. Wie ein unentrinnbares Verhängnis droht ein dritter Weltkrieg, sicher noch schrecklicher als die beiden ersten. Angesichts dieser grauenvollen Gefahr fordern alle Einsichtigen die Verhinderung des Krieges um jeden Preis, durch den Ausgleich aller wirtschaftlichen und weltanschaulichen Spannungen, durch die Errichtung einer Weltfriedensfront, die den Kriegsbrandstiftern im Irdischen und im Geistigen den Boden entziehen soll. Du aber tust genau das Gegenteil und nichts beweist deutlicher deine verbrecherischen Absichten. Du verschärfst mit zynischer Offenheit die weltanschaulichen Gegensätze, du forderst den Kampf statt den friedlichen Ausgleich und gießt damit statt Wasser Öl ins Feuer. Kannst du noch leugnen, daß du und deinesgleichen alle ihre Anstrengungen darauf richten, von dieser geistigen Seite her das Entstehen eines dritten Weltbrandes zu fördern?'

,Ich leugne es nicht. Ich sage im Gegenteil ganz offen: Ja, wir wollen den Dritten Weltkrieg und dieser Krieg wird diesmal wirklich über die ganze Erde gehen, kein Land und kein Mensch wird davon verschont bleiben, und dieser Krieg wird Entscheidungs- und Vernichtungskämpfe bringen, wie sie die Geschichte der Menschheit noch nicht kennt. Für den Ausbruch dieses dritten Weltkrieges und für seine Dauer bis zum völligen Zusammenbruch der Feindfront setze ich alle meine Kräfte ein. Ich will...'.
,Genug und übergenug: Du läßt uns also für unser Urteil über dich eine dreifache Wahl: Ein Narr oder ein Verbrecher oder beides!'

,Einen nebensächlichen Zusatz hast du mich nicht mehr aussprechen lassen: Ich will diesen dritten Weltkrieg nicht auf der materiellen Ebene. Dieser Krieg soll mit geistigen Waffen geführt werden und mit einem Heer von freiwilligen Kämpfern, nicht mit Zwangsverpflichteten. Die Welt-Entwicklung ist längst so weit, daß ausschließlich ein Kampf auf der geistigen Ebene den ursprünglichen, gottgewollten Sinn jedes Kampfes erfüllt: Neuschöpfung von Kulturgütern, tiefere Erfassung des Lebens, Scheidung der Geister, Auslese, ‚Überleben' der Tapfersten, Stärksten und Besten, Erweis ihrer Schöpferkraft und Führungsmacht. Besonders das deutsche Volk, dem die göttliche Weltführung seit Jahrhunderten, seit dem Mittelalter, die Führerschaft im geistigen Entscheidungskampf anvertraut hatte, konnte längst und immer von neuem erkennen, wohin ein Ausweichen vor seiner Aufgabe, ein Verlagern der notwendigen geistigen Kämpfe auf die materielle Ebene führt. Alle seine Kriege seit dem Mittelalter, ob es nun gewann oder verlor, führten entweder zu Oberflächlichkeit, Scheinkultur und Erstarrung (,Freiheitskriege' 1812/13/14, Krieg von l866 und 1870/71) oder zur Schändung und Zersetzung in allen Lebensbereichen (Dreißigjähriger Krieg, Kriege Friedrich des Großen, erster und zweiter Weltkrieg) .

,Wir sagen aber Nein zu jedem Kampf und Krieg, sei es auf der geistigen oder auf der materiellen Ebene. Wir vollen endlich Frieden, und wenn es sein muß: Frieden um jeden Preis. Damit spreche ich die Gesinnung einer überwältigenden Mehrheit von Menschen nicht nur in Europa aus. Das lasse dir endlich gesagt sein!'

,Damit sprichst du die Gesinnung der allerdings zahlreichen Gesinnungslumpen diesseits und jenseits der Meere aus, die den ,Pazifismus' vertreten und Frieden um jeden Preis wünschen. Dafür werden aber gerade die Tapfersten, Stärksten und Besten niemals zu haben sein, denn sie ahnen oder wissen: Die Welt hat nicht die Wahl zwischen Krieg oder Frieden um jeden Preis, einem Frieden der Verlotterung und Verwesung, sondern zwischen Krieg - auf der materiellen Ebene - oder einem geistigen Kampf um die seit vielen Jahrhunderten fällige Klärung und Neuordnung der Lebensgesetze aller Bereiche. Die Welt-Friedens-Front' - soweit ihre Anhänger nicht nur getarnte Vorkämpfer des roten Imperialismus sind - wird also aus Einsichtsarmen und Gewissenlosen, aus Geschäftemachern, aus Heuchlern, Feiglingen und Verrätern bestehen. Die Tapferkeit, die Begeisterungsfähigkeit, den Bekennermut, die Bereitschaft zu persönlichen Opfern und damit die Stoßkraft des ,Kampfes' einer Weltfriedensfrontbewegung, der organisierten Angsthasen und Gesinnungslumpen magst du dir selbst ausmalen.'

,Du willst uns also einen Kampf auf der geistigen, weltanschaulichen Ebene aufzwingen, gegen unseren freien Willen, gegen unsere Vernunft und Überzeugung!'

,Sagt nicht: Gegen unseren freien Willen, gegen unsere Vernunft und Überzeugung. Sagt lieber: Gegen unsere Trägheit und Feigheit, gegen unsere Torheit und Gesinnungslosigkeit. Es wird übrigens keiner zu diesem Kampf gezwungen werden. Für den aber, der aus der Frontlinie ausweicht, wird das Wort des Paracelsus in aller Öffentlichkeit gelten: ,Es wird keiner im Eck stehen bleiben, an den nicht die Hunde seichen!'

,Ich kann mir nicht versagen, dir noch einen anderen Einwand entgegenzuhalten. Nach allen deinen Ausführungen forderst du einen Kampf auf der geistigen, weltanschaulichen Ebene. Warum rufst du nicht zugleich zur Vernichtung aller Kriegswaffen und zur Auflösung aller Heere auf? Ein solcher Aufruf würde der Stimmung der Mehrheit weit besser als alles übrige entgegenkommen.'

,Wenn ich heute schon zu einer Entwaffnung dieser Art aufrufen würde, wäre ich wirklich der Narr oder Verbrecher oder beides, wie mich meine Gegner sehen wollen. Diese Forderung würden gerade die verworfensten Machtgebilde heuchlerisch bejahen und vor allem bei ihren Feinden durchführen helfen. Die wichtigsten Machtmittel der schwarzen Weltmächte, seelischer oder äußerer Terror, offene oder geheime und geheimste Anstiftung zu Verbrechen jeder Art gegen die Menschheit, zu Sklavenarbeit, Zersetzung und Schändung der Menschenwürde, Vergewaltigung, Mord - die Welt wird einmal staunen, wenn unwiderleglich klar vor ihren Augen liegt, welche scheinbar geheiligte, scheinbar im Göttlichen begründete Macht der eigentliche Anstifter und Drahtzieher der teuflischsten Schändlichkeiten gegen die Menschenwürde war - sind um so leichter einzusetzen, je wehrloser sich der rechtlich denkende Teil der Menschheit gegen die satanischen Gewaltmächte fühlt. Viele Millionen gutwilliger Menschen sind noch nicht so weit, daß sie sich frei gegen diese Mächte entscheiden könnten, wenn sie sich nicht einigermaßen auch im Irdischen gegen ihren Zugriff gesichert wissen. Freilich wird sich zeigen, daß bloß irdische Sicherungen dazu nicht genügen. Der Krieg mit ungewissem Ausgang wird eine dauernde Drohung bleiben, bis sich auch die träge Masse der Gutwilligen dazu entschlossen hat, wenigstens einen kleinen Beitrag zur Überwindung des Gegners auf der geistigen Ebene zu leisten. Erst dann wird jede äußere Verteidigungsbereitschaft überflüssig werden.'

Ein anderer Gegner: ,Ich habe mir die Mühe genommen, die Sieben Punkte des Kampfbundprogramms genau anzusehen. Meine erste Antwort darauf war wie sicher auch bei vielen anderen ein spöttisches Achselzucken. Du könntest nun mit einigem Recht sagen: ,Was der Pöbel nicht versteht, verspottet er'. Darum will ich es nicht dabei bewenden lassen und dir im Einzelnen die Sinnlosigkeit deiner Programmsätze nachweisen. Da ist schon gleich die Stelle: ,Eroberung der ganzen Erde für die Lehre Christi?' Sonst nichts mehr? Was alle christlichen Kirchen in fast zweitausend Jahren nie auch nur annähernd zuwegebrachten und was sich als Ganzes überhaupt nie bewährt hat, willst nun du ‚auf dem Wege einer freien geistigen Auseinandersetzung zwischen allen religiösen Bekenntnissen' durchsetzen! Übrigens hat der moderne Mensch glücklicherweise anderes im Sinn, als sich die verstaubten Ladenhüter der Vergangenheit, die er schon einmal auf die Straße geworfen hat, frisch gefirnißt wieder ins Haus setzen zu lassen. Wir gehen den religiösen Fragen, die ohnehin zu nichts führen, grundsätzlich aus dem Wege und wollen nichts anderes als soziale Gerechtigkeit, wirtschaftlichen Wohlstand, Frieden und Sicherheit. Sehr einfach! Alles andere ist Zeitverschwendung und Kraftvergeudung!'

,Ja, was ihr fordert, ist sehr einfach! Es fragt sich nur, wie ihr mit diesen so einfachen, der Massenstimmung schmeichelnden Forderungen den Todfeind jeder vernünftigen Ordnung besiegen wollt, den Macht- und Sicherheits-Wahn jeder Konfession, jeder Gesellschaftsklasse, jeden Volkes. Wann jemals hat die Vernunft oder gar das Ideal der irdischen Sicherheit und Wohlfahrt den Haß, die Rachegelüste, die Herrschsucht und Machtgier, den herzlosen Egoismus der Mehrheit besiegen können? Wurde nicht alle Vernunft in den Jahrhunderten und Jahrzehnten, in denen die Menschheit einem tieferen Verständnis der Lehre Christi besonders ferne stand, immer wieder in den entscheidenden Krisen von den niedrigsten Leidenschaften überflutet? Ist nicht gerade die auf das Irdische gerichtete Vernunft, besser gesagt der irdische, berechnende, planende Verstand, die ,Hure Vernunft', wie Luther sagt, dem verworfensten Ehrgeiz, der eiskalten Machtgier ein stets willfähriger Diener, der alles für das irdische Durchschnittsdenken beweisen und rechtfertigen kann? Wer das irdische Glück als Leitidee aufstellt, wird außer törichte und deshalb auf die Dauer schädliche Fanatiker keine Kämpfer unter seine Fahnen rufen, bereit zu jedem persönlichen Opfer, die ja das irdische Glück des Einzelnen schmälern oder ganz auslöschen. Einer Führung, die mit bloß irdischer Grundsätzen kämpfen will, muß deshalb besonders in Zeiten der Gefahr jedes, auch das verworfenste Mittel der Lüge, der Verleumdung, des Terrors und des Mordes recht sein, um ihre Gefolgschaft an sich gekettet zu halten.

,Ja. Des hat besonders die Geschichte der letzten Jahrhunderte gezeigt. Aber damit ist mein Einwand noch nicht widerlegt, daß die christliche Lehre nun schon fast zweitausend Jahre Gelegenheit hatte ihren Wert zu zeigen, dies aber nur höchst unzulänglich getan hat.'

,Die christliche Lehre ist eben nur höchst unzulänglich den Menschen vermittelt worden. Davon kann sich jeder überzeugen, der die Evangelien und die Geheime Offenbarung selbst in der sprachlich völlig veralteten amtlichen Fassung liest und damit das Lehrgebäude und den äußeren Aufbau der christlichen Kirchen vergleicht.'

,Auch das muß ich zugeben. Aber einen Einwand werde ich nie fallen lassen: Niemals wirst du die Masse für deine Forderungen gewinnen können!'

,Ja, niemals, solange es ,die Masse' ohne zahlreiche Willensträger des Unsichtbaren Ordens gibt, die dem führungslosen Menschenbrei der Jetzt-Zeit Halt und Richtung geben. Ich rufe nicht die Masse zur Tat, ich rufe meine tapferen Mitkämpfer des geistigen dritten Weltkrieges, die Männer und Frauen, die - irdisch alt oder jung - aus der ewigen Jugend des Geistes heraus leben. Ich rufe diesen Heiligen Frühling der Völker, der über das Veraltete, Überlebte, Erstarrte und Verkommene hinausgewachsen ist. Ich rufe die Kameraden des Unsichtbaren Ordens, die ihre geistige Heimat nicht mehr in verstandesmäßig zusammengeleimten Lehrgebäuden, in befehlshaberischen, herrschsüchtigen, zu kleinlicher Machtgier verkommenen religiösen Organisationen suchen. Wehen aus ewigen Lenzen: Wessen Herz dafür offen ist, den rufe ich.'

ICH UND DU

Von der irdischen Ehe zur UNIO MYSTICA.

Ein Gegner: ,Bevor ich mich auf eine so heikle Auseinandersetzung mit dir einlasse, muß ich dir eine Frage vorlegen: Du sprichst - immer deutlicher uns alle herausfordernd - im Namen Christi und hast zugleich die Verwegenheit, in manchen Punkten den ausdrücklich und unmißverständlich festgelegten Worten Christi zu widersprechen, besonders in der Ehefrage. Mit welchem Recht tust du das?'

,Mit welchem Recht verkündete Jesus seine Lehre, die in vielen Punkten vom unmißverständlich festgelegten Worte Gottes abwich, besonders auch in der Ehefrage? Mit dem Recht seines göttlicher Auftrags, zu dem er und ich sich stets offen bekannten. Jesus hatte keine Lehrerlaubnis, kein - wie es heute heißt - ,Imprimatur' und ,imprimi potest' der damaligen kirchlichen Behörden, er erfreute sich nicht der Zustimmung und Unterstützung des damaligen Papstes, des Hohen Priesters, der damaligen Kardinalskollegien und Kongregationen, des Hohen Rates, und der damaligen Theologen, der Schriftgelehrten und Pharisäer, im Gegenteil, sie wurden sehr bald und fast ausnahmslos seine Todfeinde. Das Volk aber urteilte so: ,Er spricht wie einer, der Macht hat, nicht wie die Schriftgelehrten und Pharisäer', d.h. nicht engherzig, dogmatisch erstarrt, buchstabenhörig wie sie.'

,Wenn du also, wie du dich ausdrücklich festlegst, im Auftrag Gottes uns neue Erkenntnisse und Gesetze geben willst, die wenigsten zum Teil entscheidend von den bisher geltenden abweichen, dann mußt du deine Glaubwürdigkeit ebenso wie Jesus durch Wundertaten beweisen, oder du mußt uns wenigstens zwingend logisch dartun, daß du recht hast. Sonst können wir dich eben nicht anerkennen.'

,Also wieder die Versuchung durch den Satan der Herrschsucht, in der Wüste der lebensfeindlichen, geistlosen Öde und Erstarrung der Kirchenbeamten: Wunder nicht als Geschenk, das niemand fordern darf, sondern als Bedingung für die Gefolgschaft. Wieder die Forderung der Pharisäer: ,Tu ein Zeichen, dann wollen wir dir glauben!' - Kennst du das Wort des Paulus: ,Das Christentum ist den Juden ein Ärgernis und den Heiden ein Torheit. Die Juden fordern Wunder und die Heiden Philosophie', d.h. ein zwingend logisches System, in das erst die sogenannten Kirchenväter die Lehre Christi umzufälschen suchten. Zu welcher Art der Feinde des Christentums willst du dich nach diesem Wort des Paulus zählen, zu den Juden oder zu den Heiden?'

,Auf diese Frage werde ich nicht antworten. Wohl aber vollen wir fragen: Warum hat Jesus, wenn du recht hast, überhaupt Wunder getan?'

'Damals ist nicht heute. Was einer geistig noch unentwickelten Menschheit eine Hilfe, eine Brücke zum wirklichen Glauben sein konnte, das würde heute einer unumgänglich notwendig gewordenen Entwicklung zuwiderlaufen: Der endgültigen Scheidung der Geister. - Ich habe mir nicht Feiglinge und Verräter durch greifbare Erweise göttlicher Macht hörig zu machen und ihre endgültige Entscheidung, die nichts und niemand ändern kann, zum Schaden der Welt zu verzögern. Eins mit Jesus Christus nach den Worten der UNIO MYSTICA: ,DU BIST ICH UND ICH BIN DU' wiederhole ich die Worte: , Selig sind, die nicht sehen und dennoch glauben', nicht mehr als Aufforderung an die Besten, sondern als bedingungslose Forderung an alle, die für die endgültige Entscheidung reif geworden sind. Ich wiederhole die Worte: ,Einem verderbten Geschlecht wird kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Jonas' - und das heißt: Die vom damaligen und heutigen geistlichen Führungsklüngel verschluckte, totgeschwiegene, fast erstickte, dem Licht der Öffentlichkeit entzogene Wahrheit wird unvermutet ans volle Licht des Tages geworfen werden. Ich wiederhole die Worte: ,Siehe, ich komme wie ein Dieb in der Nacht' und das heißt: Ich komme wieder ohne aufsehenerregende Wundertaten, ohne greifbare Beweise meiner Macht in der Außenwelt. Die Menschheit ist reif geworden zur unmittelbaren Erkenntnis der Wahrheit, wenigstens zur Erkenntnis, wo sie zu finden ist und wer sie ausspricht. Wer immer noch äußere Erweise göttlicher Macht - Wundertaten - oder zwingend logische Beweise fordert, ehe er die Wahrheit anzunehmen geruht, der wandert ins andere Lager und ich wiederhole ihm die Forderung an Judas: ‚Was du tun willst, das tue bald!'

,Du hast unsere Auseinandersetzung auf ein Gebiet geführt, wohin ich dir nicht folgen will. Wir begannen mit der Ehefrage. Jesus sagte ausdrücklich über die Ehe: ,Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen'. ,Wer eine Geschiedene heiratet, bricht die Ehe' ,Das (nämlich die Scheidung) hat euch Moses wegen eurer Sünden erlaubt'. Du willst die Ehe wieder trennbar haben, in offenem Widerspruch zu den Worten Christi. Was sagst du dazu?'

,Moses sprach - auch nach eurer eigenen Lehrmeinung - in Gottes Auftrag, Jesus sprach so und ich spreche so. Ihr könntet das zweifelsfrei erkennen, wenn ihr noch ein inneres Empfinden für die Wahrheit hättet. Andere Zeiten fordern andere - äußere - Gesetze. Jesus ließ ausdrücklich eine solche Entwicklung frei, mit den Worten: ,Empfanget den Heiligen Geist (der Wahrheit und des Lebens, also mich selbst durch eure Einigung mit meinem innersten Wesen). Was ihr auf Erden bindet, soll auch im Himmel gebunden sein, was ihr auf Erden löst, soll auch im Himmel gelöst sein.' Es gehört eben eure geistige Verständnislosigkeit und lebensfeindliche Einstellung dazu, diese Worte nicht in erster Linie auf die äußeren Lebensgesetze zu beziehen, die mit der geistigen Entwicklung Schritt halten müssen. Es gehört eure luziferische, teuflische Machtgier und Herrschsucht dazu, diese Worte Christi - nun sage ich noch deutlicher: diese meine Worte - so auszulegen, als ob ihr befugt wärt, über das ewige Schicksal der Seelen zu entscheiden, über ewige Seligkeit oder ewigen Untergang - oder gar, nach eurer teuflisch perversen Lieblings-Vorstellung, über die Verdammung zu ewig dauernder Qual. Aus derselben luziferischen Herrschsucht heraus habt ihr die gottgewollte Entwicklung der Menschen zu selbständigen Persönlichkeiten zu verhindern gesucht, wo ihr nur konntet, besonders auch in der Gesetzgebung über die Ehe. Einer erst halb entwickelten Menschheit mußte manche Freiheit wie die Möglichkeit der Ehetrennung bis auf weiteres entzogen werden, nachdem die Menschheit selbst innegeworden war, daß sie diese Freiheit schamlos auf Kosten der Wehrlosen, der Frauen mißbrauchte. Kinder und Halbwüchsige - hier auf die geistige Entwicklungsreife bezogen - erhalten zu ihrem eigenen Besten Gebote und Verbote. Reifgewordene können und müssen selbst über ihre Lebensgestaltung entscheiden. Schon längst hätte die Menschheit die Wahrheit wiedererhalten sollen, daß Männer und Frauen, nun aber gleichberechtigt, Irrtümer in der Ehewahl selbst berichtigen können, da sie, wenn sie nur wollen, entscheiden können, ob ihre Ehe göttlich-geistig begründet, also von Gottselbst verbunden ist oder nicht. Heute wird diese Freiheit der Ehetrennung weniger mißbraucht werden als das Gesetz der Untrennbarkeit mißachtet und legal oder illegal umgangen wird, weil es eben der inzwischen herangereiften Selbständigkeit der Menschen widerspricht. Ich selbst verfüge nun die Aufhebung dieser Freiheitsbeschränkung in der Ehe, wie ich auch zu meiner früheren Erdenzeit Gesetze aufhob, die für eine lange Entwicklungsdauer Gottes Gebot gewesen waren.'

,Niemals werden wir anerkennen, daß du mit Recht solche Befugnisse ausüben darfst!'

,Darüber lasse ich die Menschen entscheiden, die mir nachfolgen wollen, die Angehörigen der wahren katholischen, allumfassenden Kirche, die Mitglieder des Unsichtbaren Ordens, der einzigen Kirche der Zukunft, die von mir selbst, nicht mehr von den Trabanten Luzifers getragen wird. Von nun ab gilt von jeder kollektiven, unselbständig, unfrei machenden Gemeinschaft, auch von allen bisherigen Kirchengemeinschaften, mein Wort in der Geheimen Offenbarung: ,Zieht aus von ihr, mein Volk, damit ihr nicht an ihren Sünden teilhabt und von ihren Plagen mitbetroffen werdet. Denn ihre Sünden türmten sich bis zum Himmel.' - Euch aber, ihr blinden Führer, steht das Recht nicht mehr zu, mich zu wägen und zu werten. Zu oft habt ihr euch von mir selbst, vom Geist der Wahrheit, der Freiheit und der Liebe losgesagt, dessen Beistand euch bis an das Ende der Zeiten als Geschenk gegeben, aber nicht aufgezwungen war, ebenso losgesagt, wie sich schon einmal ein Auserwähltes Volk von mir und von der ständigen Führung Gottes, die ihm verheißen war, losgesagt hat und geistig unterging.'

,Du nimmst also auch das Recht des Bannfluchs an dich, mit dessen Anwendung gegen dich wir bisher in unsere Güte und Nachsicht gezögert haben, und schleuderst diesen Bann jetzt auf uns?'

'Ja, und auch das im Auftrage Gottes selbst. Es war übrigens nicht Güte und Nachsicht, die euch hemmten, euch offen als meine Todfeinde zu bekennen, sondern Feigheit und Heimtücke, wie sie nirgends sonst in der Welt in diesem Ausmaß der Verkommenheit zu finden ist.'

'Und was nun?'

'Nun sind die Würfel gefallen. Ihr werdet das Zeichen des Jonas sehen: Die Wahrheit wird an das volle Licht des Tages geworfen werden, eurer eigenen Entscheidung entsprechend weder mit noch gegen, sondern ohne euch. Das ist das letzte Wort, das ich an euch zu richten habe.'

Ein Freund: 'Paulus schrieb einmal: ,Heiraten ist gut, nicht heiraten ist besser'.'

,Das konnte für eine Zeit gelten, in der die Ehe, der allgemeinen Entwicklungsstufe entsprechend, eine fast ausschließlich körperliche und irdisch-seelische Bedeutung hatte. Es war leichter - aber nicht besser - den göttlich-geistigen Weg allein zu gehen. Längst ist dies grundsätzlich anders geworden. Die Zeit ist vorbei, in der die geistige Entwicklung weitgehend abgetrennt von der großen Lebensgemeinschaft vorwärts führen konnte. Wer für Gott und damit auch für die Entwicklung seiner eigenen Seele arbeiten will, der arbeite unmittelbar für die Welt, ausgehend von einer persönlichen Du-Verbindung, nicht mehr in unpersönlicher All-Liebe, die ein Rückschritt zu früheren, erst unvollkommen geprägten Entwicklungsstufen wäre. Die persönliche Liebe soll sich ohne jeden ,Gewissens'-Zwang, schrittweise, organisch, ausweiten zu einem liebenden Verstehen immer größerer Lebenskreise, bis sie schließlich das ganze Weltall in allen Ebenen umfaßt und in die göttlich-geistige Unendlichkeit mündet, ohne den Ausgangspunkt dieser Liebe, die Ehe mit einem Du, zu schwächen oder zu verlieren. Die göttlich-geistig begründete Ehe ist schon lange Der Hohe Weg zur Vereinigung, zur UNIO MYSTICA mit dem umfassenden Du aller Gestaltgewordenen, mit Maria. Maria und das einzelpersönliche Geistwesen gewinnt in einer solchen Ehe die ewige Verbindung und Gestalt. Der Mann verwirklicht vor allem die Einheit von Einzelwille und Weltgeistwille, die Frau verwirklicht vor allem die Einheit von Einzelgeistseele und Weltgeistseele. In einer wahren Ehe überwinden beide, Mann und Frau, am schnellsten und sichersten alle Unvollkommenheiten, die ihrer gemeinsamen Geistseele und dem Stück Welt, das sie mit sich heraufziehen sollen, aus früheren Leben oder der gegenwärtigen Verkörperung noch anhaften und ihre innerste Vereinigung, die UNIO MYSTICA mit der gestaltwerdenden und gestaltgebenden Unendlichen Liebe, mit Maria noch verhindern.'

,Wie soll man aber erkennen, ob eine geplante oder schon bestehende Ehe göttlich-geistig begründet, also von Gott verbunden ist oder nicht?'

,Frage dein Herz, dein inneres Empfinden: Kann ich diesem Mann oder dieser Frau von Herzen vertrauen, kann ich durch ihn oder sie, wenn auch nur in einer fernen Ahnung, die göttliche Herrlichkeit des Männlichen oder Weiblichen erleben? Ruft dieser Mann oder diese Frau meine besten, lautersten, reinsten Kräfte auf? Stehe ich durch ihn oder sie der Welt liebevoller gegenüber? Fühle ich mich ferne von meinen geliebten Du auch ferne meiner seelischen und geistigen Heimat? Insgesamt: Hat unsere Liebe einen Hauch, eine ferne oder nahe Ahnung von Ewigkeit, von ewiger Jugend, von Wahrheit, Freiheit und Schönheit, oder habe ich mich nur von körperlicher Erregung überrennen und blind machen lassen? Wenn einer geplanten oder schon bestehenden Ehe diese Kennzeichen göttlichen Wertes fehlen, dann dürfen keine äußeren Verpflichtungen - Kinder, öffentliche Meinung usw. - auch keine besondere Pflicht zur Dankbarkeit den Weiterbestand einer solchen Ehe oder eines solchen Verlöbnisses erzwingen, wenn sich einer oder beide Partner trennen wollen. Die Pflichten gegen Kinder und eine besondere Pflicht zur Dankbarkeit gegenüber dem Partner müssen auf andere Weise erfüllt werden.

Auch hier gilt mein Wort: ,Wer Vater, Mutter, Söhne, Töchter, Frau oder Mann mehr liebt als mich, die Stimme des Gewissens, der göttlich-geistigen Liebe, der wahren Weltordnung, der ist meiner nicht wert!'

DER EINZIGE TEMPEL GOTTES AUF DER ERDE

Ein Gegner: ,Du wirst zugeben müssen, daß schon in deinem ersten Buch vieles zwischen den Zeilen stellt, was sehr gefährliche Wirkungen auslösen kann. Ist es mit der Ehrlichkeit vereinbar, die du immer forderst, daß du diese gefährlichen Folgerungen aus deinen ersten Lehrsätzen erst nach und nach deutlich - nun aber allzu deutlich! - ausgesprochen hast?'

,Wenn du dieses erste Buch kennst, dann sind dir auch die Stellen bekannt: ,Ich sage alles, was lichten Wesen dienlich sein kann'. - Ich sage aber längst nicht alles, was ich weiß.'

'Wir haben gerade diese Stelle immer schon sehr anstößig gefunden. Warum hast du denn damals noch deine Angriffsabsichten und Zerstörungspläne so zurückhaltend ausgesprochen?'

'Eine spätere Zeit wird es mir unanfechtbar klar bezeugen: Ich habe auf der geistigen Ebene und im Menschenbereich, ohne irgendwo und irgendwann die Wahrheit zu verzerren, alles Denkbare getan, um allen den Übergang vom Alten zum Neuen leicht und schmerzlos zu gestalten. Ich habe euch allen die Möglichkeit gegeben, ohne Minderung eures Ansehens und ohne schroffe Übergänge, schrittweise, in organischer Entwicklung in die neue Zeit zu finden. Ihr habt die schmerzlose Verwandlung, die ich euch immer wieder angeboten habe, haßerfüllt, höhnisch, mit Heimtücke und Rachgier zurückgewiesen und statt dieser Verwandlung weltumfassende Zerstörungen im Geistigen und im Irdischen gewählt. Ihr wähltet nicht den Umbau, ihr wähltet die Zerschmetterung und Auflösung eurer Gebäude, und ihr werdet es nun so erleben müssen. Den Neubau aber werden andere aufführen. Ihr könnt nur noch eines tun: Aus euren zusammenbrechenden Palästen ins Freie flüchten!'

,Demnach willst du alles, was wir in jahrzehnte- oder jahrhundertelanger Arbeit aufgebaut haben und was uns deshalb über alles teuer ist, niederstürzen und in Schutt verwandeln?'

,Ja. Ich wiederhole und bestätige das Wort Nietzsches: ,Dann will auch ich Kirchen und Paläste lieben, wenn erst der reine Himmel durch ihre zerbrochenen Decken schaut.' Durch die Sargdeckel eurer Andachtsstätten und Parteipaläste werden die Blitze der neuen Zeit bis in ihre Grundmauern schlagen. Ihr zertrümmertes Gefüge wird noch eine Zeitlang den Eulen, Fledermäusen und Ratten, dem lichtscheuen Gesindel der geistig Toten irdisch-seelische Heimat und Schlupfwinkel sein.'

,Du hättest nicht schreiben sollen: ,Der Mensch ohne Angst', du hättest schreiben sollen: ,Der Mensch ohne Macht.' Deshalb lachen wir über deine Vorhersagen!'

,Ihr alle kennt das Wort: ,Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, wird zum Grund-Stein werden.' - In einigen Jahren werdet ihr euch an alle meine Vorhersagen erinnern müssen!'

Ein Freund: ,Es gibt so viel Schönes und Heiliges, was einer Entwicklung, wie du sie vorhersagst, zum Opfer fallen würde. Denke an die ruhmvollen Versammlungshallen und Gedenkstätten irdischer Welt-Anschauungen, denke an die goldenen Monstranzen und schimmernden Tabernakel, an das Ewige Licht in den christlichen Kirchen, an die Größe, Wucht und Schönheit unserer Gotteshäuser, an die Heiligtümer und Kultstätten anderer Religionen. Das alles muß doch der Welt um jeden Preis erhalten bleiben. Denn daran hängt nun einmal das religiöse Empfinden der Massen.'

,Ich halte dem die Worte entgegen: ,Gott ist Geist und will im Geist und in der Wahrheit angebetet werden.' - ‚Wenn du beten willst, geh allein in deine Kammer'. - ‚Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.' - Die Welt ist reif geworden, vor allem im religiösen Bereich den hohlen Prunk, die leeren, vom Geist verlassenen Formeln aufzugeben und zugunsten einer wahren, verinnerlichten Liebesbeziehung zu Gott diese meine Forderungen bedingungslos zu erfüllen. Nichts anderes mehr wird gelten vor Gott und deinem Gewissen. Mögen sich die geistig Toten zu Andachtshaufen zusammenrotten. Der geistig lebendige, der Mensch, der in Wahrheit meine Gebote hält und so in der Wahrheit lebt, steht allein oder vereint mit seinen ihm zutiefst Verbundenen vor Gott.'

,Ich muß zugeben, daß diese Forderungen eindeutig sind und mit dem Andachtsbetrieb, dem Religionsgeschäft aller Konfessionen, besonders der römisch-katholischen oder besser katholizistischen Kirche unmöglich zu vereinen sind. Aber warum muß soviel ehrwürdige Schönheit in die Museen wandern?'

,Es gibt einen einzigen Tempel Gottes, eine einzige Gotteswohnung auf der Erde: Der irdische Leib der werdenden und vollendeten Wesen in Natur und Menschenwelt, geschaffen und aufgebaut vom Schöpfer Himmels und der Erde, von mir selbst. Wollt ihr uns eine bessere, würdigere Stätte auf der Erde bereiten als die von unserer Macht und Weisheit geschaffenen Wohnungen der göttlichen Unendlichkeit? Es gibt ein einziges Tabernakel, eine einzige Monstranz, ein einziges Ewiges Licht auf Erden, die das Wehen des Geistes zu fassen, zu tragen, zu zeigen vermögen: Die geistige Herzmitte des Menschen, wenn er das göttliche Licht in seiner Herzmitte bejaht. Ich wiederhole die Worte: ,Das Himmelreich ist inwendig in euch!' Nichts anderes mehr wird in Zukunft Bestand haben auf der Welt. Die Menschheit, die endlich reif geworden ist, diese Wahrheit voll zu erkennen, wird alles andere, was ihr bisher als Gotteswohnung galt, vor ihren Augen zerbrechen sehen. - Aber auch diese einzigen Gotteswohnungen der neuen Zeit sind mit Ausnahme der geistigen Herzmitte, nur irdische Träger des göttlichen Lichtes, nicht das göttliche Leben selbst. Das Göttliche wohnt in ihnen, solange es in innen wohnen will. Halte diese Gotteswohnung ohne Engherzigkeit, ohne kleinliche Sorge straff und rein. Wenn dir aber die freie Verfügung über die irdische Wohnstatt deines göttlichen Wesens entzogen wird, wenn sie die göttliche Weltführung aus Gründen, die dem irdischen Denken oft unverständlich bleiben, den Kräften der Zerstörung, den Verderbern der Welt überläßt, dann bleibe völlig gelassen und seelisch unbewegt. Wenn die Notwehr gegen Vergewaltigung, Schändung jeder Art, schimpfliche Hinrichtung, Mord aussichtslos ist, dann halte in deinem Bewußtsein fest: Ein verkommener, zu allem anderen unfähiger Todfeind des Lebens kann sich des irdischen Stoffes bemächtigen, er kann den ‚Vor-Hof des Tempels' beschmutzen, verwüsten und durch diesen widergöttlichen Mißbrauch seiner Kräfte sein selbstgewähltes ewiges Ende finden. Aber unerreichbar bleibt ihm die Reinheit und Schönheit der Geistseele, das wirkliche, unvergängliche Leben, die göttliche Herzmitte. Das Opfer kann und soll über den Schänder lächeln, denn er vergeudet seine Kräfte für organisierte, zwar irdisch kostbare, aber geistig nicht unersetzliche Materie, die ohnehin irgendwann, wie es noch die Regel ist, den Wesen seiner Art zur Zerstörung, zum Fraß anheimfällt. Für den irdisch-seelischen und körperlichen Schaden, der durch verkommenen Menschen dieser Art entsteht, ist der irdische Richter zuständig. Es ist der Welt selbst anheimgestellt, ob sie das Irdische rein und lebendig bewahren will oder nicht, und hier, nur hier sollte sie hart sein. Ihre Richter sollen das Irdische sichern, so gut sie können. Im Geistigen aber gibt es keine von anderen verhängte Strafe. Denn das Geistwesen, die Liebe, Schönheit und Reinheit selbst, kann niemand antasten, unfrei machen, beschmutzen, verwüsten. Es kann sich nur - aus geistigen Gründen - veranlaßt sehen, das Irdische, seine irdische Wohnung, vorübergehend oder dauernd zu verlassen.'

'Wenn wir überhaupt an göttliche Reinheit und Schönheit glauben wollen, dann müssen wir dir zustimmen. Die Weltereignisse seit vielen Jahrtausenden bestätigen: Alles irdisch Gestaltgewordene ist nur bedingt gültig. Über ihm steht unbefleckbar, unerreichbar für Schändung und Verzerrung durch andere das Geistwesen, das wirkliche Leben. Die Böswilligen, die Verräter an Gott, durften sich im ‚Vorhof des Tempels' ihrer nach ihrer selbstgewählten Art entäußern und sich als Teufel ausleben bis zu ihrer Auflösung, sie durften ihre Kräfte vergeuden auf der einzigen, niedrigsten Ebene der Welt, die Wesen ihrer Art noch offenstand. Das Göttliche aber kann zwar aus Entwicklungsgründen und um irdisch zu helfen im Irdischen wohnen. Es entzieht sich aber völlig frei jedem schmutzigen Zugriff. Nichts und niemand kann ihm Gewalt antun. (Die Geheime Offenbarung sagt so: Das Kind, das Geistwesen, das sich in der mit Schmerzen gebärenden Mutter, in der irdischen Persönlichkeit zu seiner Einmaligkeit entwickelt, wird zu Gottes Thron entrückt, in die unantastbare Reinheit und Freiheit der göttlichen Welt). - Wenn aber der irdische Leib die Wohnung eines göttlichen Wesens ist, dann bleibt eines schwer zu begreifen: Wie sollen wir das Niedrige, das Häßliche, das den Verdauungsvorgängen und den Ausscheidungen jeder Art anhaftet, mit dem Wesen einer Wohnung des Göttlichen vereinen?'

,Du mußt unverwischbar deinem Bewußtsein einprägen: Der ganze Verdauungsweg und alle Ausscheidungen des Körpers gehören der Außenwelt an. Körpereigen ist nur, was unmittelbar vom Blutstrom durchflutet wird. Es gibt keine innerlich unreinen Organe. Durch alle deine Organe ohne Ausnahme fließt dasselbe Blut, das auch durch deine Augen, durch deine Lippen, durch dein Herz fließt. - Alles, was vom Blutstrom getrennt wird, auch wenn es sich in Leibeshöhlen sammelt, gehört bereits der Außenwelt an und hat an deinem Körper keinen Anteil mehr, ist körper-fremd geworden. Alle diese Vorgänge sind vom Körperlichen her eine ständige Mahnung an die Seele: Verwechsle nicht deine eigene Innenwelt mit der Außenwelt! Alle ‚Anregungen' und ,Baustoffe', die du aus der Außenwelt zu deiner Entwicklung aufnimmst, gehören, von Schlacken, Unreinheiten durchsetzt wie sie die Welt allgemein bietet, noch nicht zu dir selbst, du mußt sie verdauen, das Brauchbare herausziehen und körper-eigen machen, indem du sie in den Blutstrom aufnimmst. Alles übrige, das Lebensfeindliche, das Ausgelaugte, Veraltete, Verbrauchte, mußt du ausscheiden, wenn es dich nicht vergiften soll. Das gilt für das körperliche wie für das seelische Leben. Halte dich körperlich und seelisch straff und rein, ohne Nachlässigkeit, ohne Engherzigkeit, ohne Ängstlichkeit. Noch einmal: Alles, was du körperlich oder seelisch erst aufgenommen oder wieder ausgeschieden hast, hat keine innere Berührung mit deinem eigenen Wesen, mit deinem Körper oder mit deiner Seele, auch wenn es sich noch in Leibeshöhlen oder in deinem Bewußtsein sammelt.

Dies alles gilt für den gesunden und kranken Körper, wenn auch nur der gesunde Körper eine vollkommen geordnete Wohnung des Göttlichen ist. Die wirkliche Heilung körperlichen Krankheiten ist erst nach der Heilung der geistigen und seelischen Fehl-Einstellung möglich. Alles andere ist eine Scheinlösung, bestenfalls - wenn die körperliche Heilung vorerst gelingt, ein Verdrängen der körperlichen Erscheinungen in den seelischen Bereich, aus dem sie später neuerlich vorstoßen und körperlich krankmachend wirken. Darüber wollen wir in anderen Zusammenhängen sprechen.'

DIE INNERE FRONT

Neben der geistigen Gemeinschaft des UNSICHTBAREN ORDENS steht als ein Verband selbständiger Persönlichkeiten die Tatgemeinschaft der INNEREN FRONT mit sozialen und politischen Zielen. Die Mitgliedschaft soll allen ohne Ausnahme offen stehen, ohne Rücksicht auf ihre weltanschauliche Einstellung, wenn sie sich verpflichten, die sieben Forderungen der INNEREN FRONT in ihrer Umwelt und nach ihren Möglichkeiten in der Öffentlichkeit zu vertreten.

Die sieben Forderungen:

I. Verbindung von Führerprinzip und Demokratie. Unmittelbarer Einfluß des Volkes auf Gesetzgebung und Verwaltung durch Volksvertreter, die ihrem Wahlkreis persönlich bekannt und verantwortlich sind, und durch frei gewählte Vertreter aller Berufsgruppen - Gewerkschaften und Kammern - in der gesetzgebenden Versammlung, deren Kritik die Gesetzesvorschläge der Regierung und die Ausführung der Gesetze unterliegen. Auflösung der politischen Parteien, die - in unserer Zeit zu scheindemokratischen Schmarotzerorganisationen entartet - den Willen ihrer Wähler umgehen und die Hauptursache von Protektion und Korruption sind. Die Regelung und die Kosten des Wahlvorganges fallen dem Staate zu. (Nur Wahlwerber mit einer bestimmten Zahl von Unterschriften dürfen Wahlaufrufe erlassen, für deren Veröffentlichung - für alle in gleicher Weise - der Staat sorgt). Die INNERE FRONT verfolgt ihre Ziele durch persönliche Mitgliederwerbung, die in ihrer Umwelt und nach ihren Möglichkeiten in der Öffentlichkeit die Ziele des Verbandes verbreiten.

II. Enteignung des Staates. Dem Staat steht außer den notwendigen Verwaltungseinrichtungen keinerlei - gewinnbringendes Eigentum zu, damit er gegenüber der gesamten Wirtschaft als Kontroll-Instanz wirken kann. Überführung der gewinnbringenden Staatsbetriebe in Privatbetriebe und Genossenschaften. Alle Betriebe von großem Umfang und allgemeiner Bedeutung sind zur öffentlichen Rechnungslegung verpflichtet. Der Staat übt seine Rechte als Kontroll-Instanz gegenüber allen Klein- und Großbetrieben - entsprechend dem auch sonst üblichen Vorgang der Rechtswahrung - nur auf begründete Beschwerden und Anklagen hin aus, durch die Berufsvertretungen und durch Einzelkläger. Also Fortfall jeder ständigen staatlichen Einmischung und Überwachung, besonders des Bewilligungszwanges jeder Art, der zu Bürokratismus und Korruption führt.

III. Schaffung eines Sozialstaates mit denselben Aufstiegsmöglichkeiten für alle, gleich weit entfernt von Bürokratismus und kollektiver Vermassung wie von kapitalistischer Willkür. Neufassung des Zivil- und Strafrechts im Sinne größerer Bewegungsfreiheit und persönlicher Verantwortung der Richter, zugunsten einer besseren Anpassung an die paragraphenmäßig nie vollständig erfaßbaren einmaligen Gegebenheiten des Lebens. Schärfere Fassung des Begriffs ,unlauterer Wettbewerb', in den u.a. betrügerische Einflußnahme auf die Preisbildung durch Hausse- und Baisse-Manöver einzubeziehen sind. Der Begriff ,Strafrecht', der gerade die gefährlichsten, ausgesprochen krankhaft veranlagten Verbrecher begünstigt - ‚verminderte Zurechnungsfähigkeit' - soll durch den Begriff ,Sicherungsrecht' ersetzt werden.

Sicherungsverwahrung - durch ein Gerichtsverfahren - aller gefährlichen Außenseiter bis zum fallweise notwendigen Entzug des Lebens (‚Todes-Strafe'), der Gefährlichkeit und voraussichtlichen Besserungsfähigkeit oder Unverbesserlichkeit des Verbrechers angemessen -besondere Beachtung der Tatmotive - unabhängig von seiner Zurechnungsfähigkeit.

IV. Weitgehende Selbständigkeit der Gemeinden, Stadtteile und Bundesländer zugunsten einer den örtlichen Verhältnissen angepaßten und von den Staatsbürgern leicht überprüfbaren Verwaltung. (Zusammenlegung von Funktionen und ehrenamtliche Dienste sind nur in kleinen Verwaltungseinheiten möglich, ebenso erübrigt sich viel bürokratischer Formelkram durch persönliche Überprüfung der Sachlage). Dem Staat sollen nur die allen gemeinsamen Erfordernisse unterstellt bleiben (Rechtspflege, Polizei, Schul- und Verkehrswesen usw.).

V. Neuordnung des Schulwesens. Unentgeltlicher Schulbesuch. Zulassung zu den höheren Schulen abhängig von der Begabung und der Leistung. Bis zu den Hochschulen keine wissenschaftliche Ausbildung - Alte Sprachen, Höhere Mathematik usw. - sondern Allgemeinbildung, angepaßt an die Forderungen des praktischen Lebens (technische Kenntnisse, lebende Sprachen, allgemeine Kultur- und Kunstgeschichte usw.). Sonderkurse wissenschaftlicher Art für besonders Befähigte als Vorbereitung für die Hochschulen. Religionsunterricht nur noch als unparteiische Darstellung der Grundlagen und der Entwicklung aller großen Religionen und sozialen Bewegungen. Die Entscheidung für eine bestimmte Einstellung bleibt wie die Berufswahl dem Schüler überlassen.

VI. Die persönliche Freiheit des Arbeiters und Unternehmers, die Rede-, Versammlungs- und Pressefreiheit, die Freiheit von Religion, Kunst und Wissenschaft unterliegt nur den Beschränkungen der in Punkt III geforderten Gesetze.

VII. Zusammenschluß der Nationalstaaten zu Staatenbünden der artverwandten und durch die geographische Lage aufeinander angewiesenen Völker. Auflockerung und Aufhebung der Zollgrenzen und Verkehrsbeschränkungen, gemeinsame Währung, Polizei, Wehrmacht, gemeinsame soziale Gesetze. Gegenseitige Abstimmung der Wirtschaft und Wirtschaftsplanung unter Führung der Regierungen durch freie Übereinkommen zwischen den nationalen Wirtschaftsgruppen. Kulturelle Selbständigkeit der Gliedstaaten zur Wahrung der völkischen Eigenart.

Zusammenschluß aller freien Staaten und Staatenbünde zu einem überkontinentalen Verband.

WAS WILL EUROPA?

DAS GRÖßERE ABENDLAND.

Es sprechen die Vertreter:

  1. des Sich-treiben-lassens
  2. der Neutralität
  3. der Ost-Orientierung
  4. der West-Orientierung
  5. der grundsätzlichen Opposition

Dieser Fünfte, der Teufelsadvokat, der gegenwärtig verbreitetste Menschentyp, der die schwachen Punkte jeder Stellungnahme herausstellt, ohne selbst etwas Wesentliches sagen zu können, ist der ständige Gegenredner der vier ersten Vertreter.

I. Der Vertreter des Sich-treiben-lasse:

,Was Will Europa.? Wir sollten uns keiner Täuschung hingeben. Europa kann gar nichts wollen! Europa ist heute nichts mehr als eine Drehscheibe, die nach dem Willen der beiden Bahnhofsvorstände in Moskau und Washington gestellt wird. Wir tun das Klügste, wenn wir dieser unabänderlichen Tatsache gerecht werden und uns für nichts mehr einsetzen. Warum sollten wir uns mit Plänen für die Zukunft plagen, Änderungen des jetzt immerhin leidlichen Zustandes anstreben, wenn wir die Lawine doch nicht aufhalten können, falls sie sich über uns hinzuwälzen geruht? Was man nicht ändern kann, soll man möglichst gar nicht bemerken. Die beste Aussicht, in Ruhe gelassen zu werden, haben wir dann, wenn wir keinen der beiden Großen durch besondere Aktivität reizen.'

'Europa soll also zwischen den beiden Großen ein Niemandsland sein, von dem sich jeder ein Stück aneignen kann, wenn ihn danach gelüstet?'

,Es gibt doch noch ein Völkerrecht, es gibt eine Moral des Internationalen Lebens! Wir müssen nur immer wieder laut darauf hinweisen.'

,Das könnte aber als gefährliche Aktivität ausgelegt werden, vor der du ja warnst!'

,Wenn wir waffenlos, völlig friedlich, ohne jede Absicht zu einer Blockbildung unsere Lebensrechte vertreten, kann das doch niemand stören.'

,Es wird niemand stören, aber auch niemand hindern. Gackern schützt nicht vor dem Gefressenwerden.'

,Aber wir haben doch ein unabdingbares Recht auf Freiheit, Wohlfahrt und Selbständigkeit! Das müssen wir immer wieder betonen.'

'Ihr wollt euch also fressen lassen, aber unter Protestrufen! Ihr habt offenbar die Ereignisse der letzten Jahrzehnte bis in unsere unmittelbare Gegenwart herein verschlafen.'

II. Der Vertreter der Neutralität:

,Wir sind nicht dafür, tatenlos zuzusehen, bis die Lawine über uns hinwegrollt. Wir wollen uns aber ebensowenig an einen der beiden Großen verkaufen. Das hat Europa mit seiner alten Kultur und seinen großen Gegenwartsleistungen auf allen Gebieten nicht nötig. Wir wollen einen westeuropäischen Staatenbund, in sich gefestigt wie die Schweiz, nach außen abwehrbereit, als beste Sicherung gegen einen dritten Weltkrieg und gegen den Verlust unserer Freiheit.'

,Da kann ich nur sagen: Sieh dir eine Weltkarte an und betrachte den Bandwurm, der dir als politisches Ideal vorschwebt, den Staatengürtel von Skandinavien bis nach Afrika! Denke an das Schicksal der Interessengemeinschaft Polen-Rumänien, die sich l939 zutrauten, als ‚Brandmauer' zwischen Deutschland und Rußland wirken zu können. Der Staatengürtel, den ihr fordert, sieht nicht einmal auf dem Papier einladend aus, geschweigedenn in der Praxis, vor allem, wenn man die strategische Lage betrachtet.'

,Selbstverständlich gehören die osteuropäischen Staaten auch zu diesem Europa, auch wenn sie derzeit nicht frei über ihre Stellung entscheiden können. Bedenke aber die Anziehungskraft, die der Kern dieses selbständigen Europa auf seine Randgebiete ausüben würde!'

,Auch Sowjetrußland wird diese Anziehungskraft bedenken und dem Kern eines selbständigen Europa seine besondere Aufmerksamkeit und Liebe widmen. Meinst du, Sowjetrußland wird diese gefährliche Sogwirkung, die von einem selbständigen Europa ausginge, gutwillig hinnehmen? Meinst du, es wird Westeuropa solange Zeit lassen, bis einer der osteuropäischen Staaten nach dem anderen sich dem Westen anschließt? Ich halte sehr viel von dem guten Willen Sowjetrußlands, den Frieden zu erhalten und von seiner uneigennützigen Zuneigung zu den freien Staaten an seiner Westgrenze, aber das wäre doch zuviel verlangt.'

,Du sprichst zwar von der sowjetrussischen Gefahr auf der einen Seite, vergißt aber ganz die Hilfe Amerikas von der anderen Seite her, die den politischen und strategischen Nachteil unserer freilich sehr dünnen ‚Brandmauer' ausgleicht.'

,Ich habe nichts vergessen, auch das nicht, daß ihr euch weder an den Osten noch an den Westen verkaufen wollt.

,Wer darf denn von ,Verkaufen' sprechen, wenn wir eine uns zu nichts verpflichtende. Anlehnung an den Westen suchen? Bis wir selbständig sind, werden wir freilich eine nicht zu knappe Mithilfe Amerikas annehmen müssen.'

,Wie gnädig! Amerika soll euch zu Freiheit und Wohlstand verhelfen - das wollt ihr gütigst genehmigen - ohne einen Augenblick sicher zu sein, daß nicht einzelne oder alle Mitglieder des westeuropäischen Bandwurm-Bundes eine plötzliche Zuneigung zu dem großen östlichen Nachbar erfaßt, aus Angst, der näherliegende und deshalb gefährlichere Koloß könnte sich sonst mit roher Gewalt die Beute holen, die einladend genug vor seiner Nase liegt.'

III. Der Vertreter der Ost-Orientierung:

,Auch ich kann nur empfehlen gleich zu Beginn meiner Ausführungen eine Weltkarte zu betrachten. Welch ein lächerliches Anhängsel des asiatischen Kontinents ist doch dieser sogenannte Kontinent Europa, nur durch eine veraltete und zersetzte Geistigkeit, nicht aber durch natürliche Grenzen von der Hauptmasse des eigentlichen Erdteils geschieden, über den als Ganzes die Sowjetunion immer überzeugender die Führung übernommen hat! Es ist schon ein großes Zugeständnis an die Eigenliebe von uns Europäern, die wir ja nur auf einer Halbinsel Asiens leben, wenn die Wortführer des ganzen Erdteils öfters von Eurasien sprechen. Die große Mutter Asien ist ein lebendiger Leib mit Kopf, Rumpf und Gliedern. Sie wird sich nicht mehr von raumfremden Mächten zerstückeln lassen!'

,Eine Zwischenfrage: Ich möchte wissen, ob diese Halbinsel Asiens, Europa, nach deiner Meinung den Kopf oder das Rücken-Ende der Großen Mutter Asien darstellt. Als Steißbein-Asiaten hätten wir freilich nichts mitzureden. Sollte aber Europa als der Kopf Asiens gelten dürfen, dann hätten wir vielleicht doch ein Mitspracherecht.'

,Unterbrich mich nicht noch einmal, wenn du willst, daß unsere Auseinandersetzung auf Worte beschränkt bleibt! Übrigens ist dein Einwurf zweifach verfehlt. Erstens weil er ganz aus den Rahmen dieser Auseinandersetzung fällt - auch wenn du dich als Teufelsadvokat bezeichnest - und zweitens: Die Wortführer Asiens würden dieses elende Anhängsel Asiens nie als seinen Kopf gelten lassen. Darüber ist jede Debatte überflüssig.'

,Wenn wir schon die Sache anatomisch betrachten wollen - womit du begonnen hast - so würde es weit mehr überzeugen, die ganze Erde als einen Leib zu betrachten, worauf alle Weltprobleme hinweisen. Warum sollten wir weiterhin Erdteil gegen Erdteil stellen, wenn allein die technische Entwicklung ein Denken und Planen über die ganze Erde hin begünstigt, ja geradezu verlangt?'

,Die natürliche Geschlossenheit Eurasiens kann trotzdem niemand abstreiten. Und da frage ich: Wie kommen raumfremde Mächte dazu, sich in inner-eurasiatische Angelegenheiten einzudrängen? Wie können es sich die U.S.A. zutrauen, ungestraft Völker unseres Erdteils, unseres eigensten Machtbereichs gegen uns aufhetzen und bewaffnen zu dürfen? Wie lange noch, glaubst du, werden wir unsere Völker von den ausbeuterischen, kapitalistischen und imperialistischen Ideen des Westens, von seinen überalteten und verfaulenden Philosophien und Religionen vergiften lassen? Von nun an wird auch für die Halbinsel Asiens, für Europa, der Grundsatz gelten: Asien den Asiaten! Europa wird sich den Gesetzen seines Lebensbereiches, seiner Denkweise, seiner Weltanschauung, seiner politischen und sozialen Ordnung nicht mehr lange entziehen können.'

,Nun frage ich: Wie oft wird Asien noch den Versuch wagen, sich Europa zu unterwerfen? Perser, Araber, Hunnen, Mongolen und Türken haben es zu ihrer Zeit versucht. Nie ist es dem Osten gelungen, den Westen dauernd unter seine Gewalt zu beugen. Wohl aber hat der Gegenstoß des Westens seit den Tagen Alexanders des Großen das Gefüge Asiens immer wieder erschüttert und seine Macht zerbrochen. Nun seid ihr an der Reihe. Mit euch steht Asien wieder vor den Lebenszentren Europas. Denkt manchmal an die Schlacht auf den Katalanischen Feldern!

Ich frage weiter: Wie könnt ihr es wagen, eure Weltanschauung gegen die unsere auszuspielen und auf euren Sieg zu hoffen? (Abgesehen von dem albernen Vorwurf des Imperialismus und des Ausbeutertums, der euer System noch schwerer als das unsere belastet. Wohl mögen die Formen unserer politischen, sozialen und religiösen Ideen veraltet sein. Ob auch ihre geistigen Grundlagen sich überlebt haben, ob nicht neue Formen schon im Entstehen sind, darüber mögen sich andere äußern. Wenn man aber eure Weltanschauung nur veraltet nennen wollte, täte man ihr zuviel Ehre an. Sie hat das Alter vorgeschichtlicher Ausgrabungen, sie entstammt den untersten Entwicklungsstufen der Menschheit, ja eher noch der Tierwelt. Das Vorbild eures Gesellschaftsaufbaues ist der Clan, die Horde, die nur einen diktatorisch herrschenden Anführer kennt, in größerem Rahmen allenfalls noch einen Familienrat, und im übrigen nur rechtlose Unterworfene. Ich könnte auch ein Wolfsrudel mit seinem Leitwolf zum Vergleich heranziehen. Die eigentliche Grundlage eurer Weltanschauung, der Materialismus, ist kennzeichnend für die unreife Einstellung von Kindern oder für das verknöcherte Denken entarteter Greise. Ihr könnt also wählen, ob ich eure Weltanschauung infantil oder senil nennen soll.'

'Unsere Weltanschauung mag in der Theorie viele Gegner auf den Plan rufen. Sie sind aber nur solange Gegner, als sie es mit der Theorie zu tun haben. Sobald sie ihrer praktischen Anwendung begegnen, sind sie gewöhnlich sehr schnell - so oder so - überzeugt!'

IV. Der Vertreter der Westorientierung:

,Ein Programm, das geistige Rückgrat einer Gemeinschaft, muß in die Zukunft weisen, es muß von schöpferischen Ideen getragen sein. Schöpferische Ideen sind neuartig - sonst kann man sie nicht schöpferisch nennen - und dies Neuartige befremdet zunächst, wird als ,unmöglich' verurteilt oder erregt Mißverständnisse und Spott. Was von vornherein die Zustimmung der breiten Öffentlichkeit gewinnt, was keinem ernsthaften Widerstand mehr begegnet, was gefahrlos ausgesprochen werden kann, ist abgebrauchtes Geistesgut - eben weil es bereits die große Masse begriffen hat - und deshalb unzulänglich, wenn neue , jenseits der bisherigen Erfahrung liegende Aufgaben zu meistern sind, wenn eine Notlage, die den üblichen Hilfsmitteln hartnäckig widersteht, neue Gedanken fordert.'

,Diese Einleitung läßt mich das Schlimmste befürchten!'

,Viele befürchten das Schlimmste', wenn ihnen jemand zumutet, die altgewohnten, ausgefahrenen Denkgeleise zu verlassen. Ein solches ausgefahrenes Denkgeleise ist auch der Begriff ,Abendland' den die ewig Gestrigen immer noch mit ,Europa' gleichsetzen. Das Abendland entstand als weltbestimmendes Kräftezentrum in den Randgebieten des Mittelmeeres. Der geistig reifere Ostteil des Bereiches, Ägypten, Palästina und Griechenland, schenkte ihm seine geistigen Grundlagen, Religion, Kunst und Wissenschaft, der Westteil, Rom, übernahm die polare Ergänzung dazu, die Gestaltung der äußeren Weltordnung, die politische Führung. Seit über zweitausend Jahren ist dieses geistig-irdische Kraftfeld ,Abendland' die schöpferische Mitte der Welt. Nur verschoben sich ständig, einem erkennbaren Gesetz folgend, die tragenden Pfeiler seines polar sich ergänzenden Lebens. Das Zentrum der politischen Führung wanderte nach Norden und Westen, nach Deutschland, Frankreich, Spanien, England, Amerika, während die von der politischen Führung entlasteten Völker zu Zentren des Kulturschaffens wurden. Die geringen Ausnahmen und Überschneidungen können dieses grundlegende Lebensgesetz des Abendlandes nicht widerlegen.

,Wenn ich alles ins Treffen führen wollte, was gegen diese Auffassung spricht, müßte ich ein Buch schreiben!'

,Wenn ich alles ins Treffen führen wollte, was für diese Auffassung spricht, müßte ich auch ein Buch schreiben. Wir wollen uns aber vorläufig auf die Kernpunkte beschränken.'

,Mein Haupteinwand: Der Ostteil dieses neuen Abendlandes ist erschöpft, die Zeit seines Kulturschaffens ist ebenso vorüber wie die Zeit seiner politischen Führung.'

,Es ist aber nicht geistig erschöpft - das würde eine Entartung seiner gesamten Kräfte voraussetzen - es ist nur materiell kraftlos geworden durch seine törichten jahrhundertlangen Versuche, die Entwicklung zurückzudrehen, das Gesetz des westwärts wandernden Schwerpunktes zu mißachten und die politische Führung wieder für sich zurückzugewinnen, wie es alle Völker Europas immer wieder versucht haben. Wenn die Übergangszeit überwunden ist, die weder politisch noch geistig klare Linien erkennen läßt, wird der Atlantik als das neue Mittelmeer begriffen werden, das die polar sich ergänzende Aufgabenteilung der Völker des neuen Abendlandes ermöglicht. Man wird dann nicht mehr von Europa die politische Führung erwarten und von Amerika die geistige Gestaltung der Welt. Erst in dieser neuen Ordnung wird sich zeigen, welcher politisch-weltgestaltenden Leistung der geistig jüngere Westteil, Amerika, und welcher geistig-schöpferischen Leistung der reifere Ostteil des Bereiches, Europa, fähig ist, nachdem es von äußeren Kämpfen entlastet und in sich einig geworden ist.'

,Ich halte mich lieber an die Prophezeiung vom Untergang des Abendlandes! Das scheint mir sicherer.'

,Untergang des - bisherigen - Abendlandes als politische Führungsmacht: Ja. Aber nur zugleich mit dem Aufgang eines neuen, größeren Abendlandes als die in seinem Westteil politische, in seinem Ostteil kulturschöpferische Ordnungsmacht und Herzmitte der Welt!'

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