Aus dunklen Talen

Eine Reihe unerahnt schöner Märchen.

Foto aus das Buch 'Aus Dunklen Talen'

... Es zog ein Reiter seines Weges im Morgenlicht. Silbern spannte sich der Himmel über die verhalten raunenden Wälder und die Straße lag weithin im ersten Schein der Frühe. Suchend ging der Blick des Mannes über die Höhen. Da lag einsam ein Hof am Osthang. Der Widerschein des Morgenlichtes in den Fenstern hielt seine Blicke fest.

Ein Holzfäller war aus dem Wald auf die Straße getreten und besah sich den Reiter. Schließlich kam er heran und nickte ihm zu. ‘Willst du da hinauf? Der Herr wird dich brauchen können.’ ‘Brauchen können?’ wiederholte der Reiter fragend, ‘ich suche keine ruhige Arbeit.’ Der Holzfäller lachte: ‘Danach siehst du auch nicht aus, und wenn dich das beruhigt: Gefahren findest du hier genug, denn wir leben im Grenzland, wo die Waffe mehr gilt als Geld und Besitz. Nun, überleg es dir’ sagte er mit kurzem Abschiedsgruß.

Der Reiter sann: Narben trage ich viele, Gefahren, Sorgen und Not waren meine Herzgenossen Tag und Nacht seit Jahrzehnten. Rückwärts, fort von der Grenze, mag wohl Sicherheit sein. Aber mein Herz ruft mich ins Grenzland. Nirgendwo sonst passe ich hin. Ich wills mit dem Herrn da droben versuchen. Vielleicht find ich dort endlich eine Heimat, gerade im friedlosen Land.

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Wie leises Singen kam es über die Wasser. Vernewahla lauschte weltverloren. Doch das seltsame Tönen war schon wieder verstummt. Nur noch der Frühlingswind zog rauschend meerüber um Hügelkämme und durch Wälderweiten.
Vernewahla lehnte am Stamm einer Silberweide auf einem der Hänge, Sonne und Schönheit der Jugend über Antlitz und Gestalt, doch die Augen von einem Ernst wie aus Urvätertagen vertieft und von unergründlicher Sehnsucht geweitet. Dunkel brannte darin die Schmerzfreude des Schauens in die Ferne und des Suchens im Grenzenlosen. Sein Blick wanderte durch die zerrissenen, wetterwunden Zweige des Baumes über das zarte Grün des Abendhimmels, wo weiße Wolkenbausche wie Anemonenblüten auf einer Waldwiese standen, und ging dann wieder meerüber, wo eben die Sonne über den Wendekreis des Tages sank.

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Am Bergeshang stand der Zauberer und sah in den graudunstigen Himmel. Träge wie eine Riesenschlange kroch schwarzes Gewölk darüber hin und machte sich daran, die Sonne zu erdrosseln. Fahl glomm ein Wetterloch von Westen her. Dort lauerte der Sturm und sammelte seine Kräfte.
Der Zauberer wartete gespannt. Unmerklich schlich die Zeit, während der Tag immer mehr ins Düstere versank. Mit einemmal sprang der Sturm wie ein Untier aus seiner Höhle und verbiß sich in die Riesenschlange. Mit Fetzen brauner Haut und schwarzen Fleisches fuhr er tobend über den Himmel. Der Zauberer lachte. Er dehnte die Arme und streckte die Krallenfinger. 'Wie es doch da oben genau so zugeht wie in uns', sagte er zu sich selbst. 'Erwürgen, zerfleischen! - Oder sehen nur wir es so, weil wir es so sehen wollen? Gleichviel, ich muß wieder etwas zu tun bekommen!'

Read More: Der Zauberer

Zwei Kinder, ein Mädchen und ein Knabe, standen am Quell, als die Sonne sank, und sahen mit fragenden großen Augen nach oben, wo über den Wipfeln des Waldes ungeheuer der Berg stand, röter als Abendrot.
'Nichts als Eis und Schnee und rote Felsen seien da droben, sagen die großen Leute', meinte der Knabe zögernd. 'Die großen Leute!' gab das Mädchen geringschätzig zurück, 'was wissen die schon. Es ist noch keiner hinaufgekommen. Ich sage dir, es sind Elfen da droben und Blumen, wie sie auf den Himmelswiesen wachsen - auch wenn die anderen immer spotten, ich träume bloß.'

Read More: Wernot der Gärtner

In stumpfer Verkommenheit lag das Moor in den gelbbraunen Dünsten des Mittags. Klägliches Schilf zitterte und surrte verstört im Wind, der ungeduldig vom See herüberkam. Zwischen den Schilfinseln glänzte ölig das Wasser, von Gewürm beunruhigt, von Schlangen durchfurcht. Weithin schwang der Brodem der Öde.
Am festeren Ufer schlenderte der Teufel vorbei und sah über die kümmerliche Wildnis hin. 'Schön!' knurrte er, 'sehr schön, aber immer dasselbe. Langweilig wirds. Etwas Neues müßte da einmal geschehen!' Ärgerlich fing er eine Maus, die piepsend über den Weg lief, und fraß sie schmatzend.

Read More: Winnimunth
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