Verwandlung zur Sonnenhelle

Noch darf der Erde letzter Sonnenstrahl
auf Bergeshäuptern und auf Hügeln liegen,
der weißen Wolken lichte Tausendzahl
in Flaum und Schleier auf zur Sonne fliegen.
Ein Spiegel liegt das Meer im Abendtau.
Erlösend steigt blaudunkler Tiefe Träumen
auf zu des Erdenhimmels Schwesterblau
und sinkt zum Scheidekreis als Dämmergrau,
da Nacht und Lichtwelt ineinanderschäumen.

Doch nun erlischt das Licht.
Müd schlägt das Herz, ermattet sinkt die Hand.
Den ersten Stern siehst du aus ahnungsfremden Weiten
den goldnen Tag zum Blei der Nacht geleiten
und fern herüberleuchten neues Morgenland.
Da wähnt der Blick in Nacht und Tod zu sinken.
Schwer steigt das Nichts die schwarze Wand hinan.
Die letzte Welle muß im Blut ertrinken,
ein letztes Wehen drängt zum Herzen an
und Grenznacht sinkt, fahl glüht die Lebenswende
und schwarzes Tosen schäumt zum Uferrand...

Da, aus den Todesschluchten flammen lichte Hände:
"Vertraue mir. Durch die Vernichtungsbrände
trag ich dich heil in das Dreiströmeland.
Ein Panther war die Nacht, erzürnt von Todesgluten.
Nun bricht ein Morgen auf, der an den Grenzen wacht.
In Niegeseh'nem Lichte krönen sich die Fluten
und aus verhüllten Fernen
bricht nun ein Sonnenrot.
Es ist ein Land, ein Reich der nahen Wunder.
Der Ring des göttlichen Geheimnisses
trägt den Getreuen,
der selber das Geheimnis durch das Irdische trug.
Nun blühe auf in seinen Sonnenkreisen.
Ich trage dich,
da du ins Grenzenlose dich weitest,
erdämmernd aus samtenen Seen,
als wiegende Gärten dich breitest,
die knospend im Morgen stehn,
da du als Rosen ins Sonnige glutest
zu schimmernder Düfte Wehn,
als Ströme ins Ewige flutest,
um tosend in Licht zu vergehn,
bis du ferne den Todestalen
zu göttlichem Leuchten erblaust,
daß die Krone der Morgenlichtströme
als läuternde Flamme braust.

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